Donnerstag, 29. April 2004

Jackson Prozess: Popstar offiziell wegen Kindesmissbrauchs angeklagt!

  • Unzüchtige Handlungen in vier Fällen
  • King of Pop wies Vorwürfe zurück

Popstar Michael Jackson ist am Freitag in zehn Punkten wegen Kindesmissbrauchs und Verschwörung zur Entführung des Opfers angeklagt worden. Die Anklageschrift der Geschworenenjury am Bezirksgericht von Santa Maria (Kalifornien) wurde dem 45-jährigen Sänger in Gegenwart seiner Eltern und etwa 60 Fans vorgelesen. Wie im Jänner bei seinem ersten Gerichtstermin bekannte sich Jackson erneut "nicht schuldig". Kameras hatte Richter Rodney Melville aus dem Saal verbannt.

Nachdem Jacksons neuer Anwalt, Thomas Mesereau, auf "nicht schuldig in allen Fällen" plädiert hatte, wandte sich Richter Melville mit der Frage an Jackson, ob dieser den Ausführungen seines Anwalts zustimme. Mit einem leichten Kopfnicken signalisierte der scheue Sänger sein Einverständnis. Die Anhörung dauerte 40 Minuten, der nächste Termin wurde für den 28. Mai angesetzt.

Der exzentrische Superstar war gedämpft und sichtlich um Seriosität bemüht in seinem schwarzen Geländewagen vor Gericht erschienen. Jackson trug eine Brille und dunklen Anzug mit goldenem Wappen auf der Brust. Passend zur weinroten Krawatte hatte er sich eine rote Armbinde umgebunden. Ohne auf die Rufe seiner Fans zu reagieren, ließ er sich unter einem Regenschirm in das Gerichtsgebäude führen.

Nach Bekanntwerden der neuen Anklage dürfte es nunmehr keine Zweifel an einem Prozess gegen den "King of Pop" geben. Beobachter rechnen mit einem Beginn im Dezember oder Anfang nächsten Jahres. Die Staatsanwaltschaft hatte Jackson bereits vorgeworfen, im Februar und März vergangenen Jahres einen damals 13-jährigen Jungen sieben Mal sexuell missbraucht zu haben. In zwei Fällen soll er das Kind auch unter Alkohol gesetzt haben.

Die Geschworenenjury verständigte sich in der vergangenen Woche auf die neue Anklage. Ihre zehn Punkte, darunter der Vorwurf der versuchten Entführung, kam für viele überraschend. Bei einer Verurteilung drohen dem Multimillionär Jackson, dessen Alben weltweit rund 165 Millionen Mal verkauft wurden, wenigstens 20 Jahre Gefängnis und damit das Ende seiner Künstlerkarriere. Richter Melville beraumte für Ende Mai die nächste Anhörung an.

Das Städtchen Santa Maria hatte sich mit Metallbarrikaden, Zäunen sowie einer Hundertschaft Polizisten für den zweiten Gerichtstermin von Jackson gewappnet. Doch statt der erwarteten 1.000 bis 2.500 kamen nur zwischen 300 und 500 Fans und Schaulustige, um ihm moralischen Beistand zu leisten. In Sprechchören jubelten die Jackson-Verehrer ihrem Idol zu.

Jacksons Anwalt Mesereau, betonte nach der Anhörung in einer kurzen Ansprache, dass es bei dem Verfahren ausschließlich darum gehe, "die Würde, Integrität, Ehre (...) und Unschuld eines wunderbaren Menschen namens Michael Jackson wiederherzustellen". Mesereau lobte Melville als "herausragenden und fairen Richter". Nach seinem Anwalt ergriff auch Jackson das Wort, bedankte sich bei seinen Freunden und seiner Familie für die Unterstützung und beteuerte den Bürgern von Santa Maria, "ich liebe eure Gemeinde und werde sie immer lieben".

Anders als vor drei Monaten, als der Richter ihm eine Standpauke wegen unpünktlichen Erscheinens gehalten hatte, war Jackson dieses Mal überpünktlich erschienen. Und im Gegensatz zum Jänner, als er auf das Dach seines Geländewagens gesprungen war und eine Tanz-Show abgezogen hatte, verließ das Gericht ruhig an der Seite seiner Eltern und seines Anwaltes.

In den Tagen vor der Verlesung der Anklageschrift hatte Jackson an seinem Image poliert. Er tauschte nicht nur seine Anwälte aus, sondern trennte sich auch von der umstrittenen Leibwächtergarde der Schwarzenbewegung "Nation of Islam". "Er hat vollständig mit 'Nation of Islam' gebrochen", sagte sein früherer Agent Stuart Backerman am Donnerstag. Der Star habe eingesehen, dass er in der Öffentlichkeit eine bessere Darstellung brauche. (apa/red)

29.4.2004 13:41

Advertisement
Service


Kino

Der Diktator

Komödie, Satire - USA, 2012

Regie: Larry Charles

Mit: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Megan Fox, John C. Reilly, Ben Kingsley

mehr Info zum Film