Donnerstag, 29. April 2004

Nach Ausstieg bei Mitsubishi: DaimlerChrysler-Boss kann sich halten

  • Aufsichtsrat stärkt Schrempp dem Rücken
  • Hubbert bleibt vorerst Mercedes-Chef

Trotz des Mitsubishi-Debakels hat der DaimlerChrysler-Aufsichtsrat Konzernchef Jürgen Schrempp den Rücken gestärkt. Das Kontrollgremium sicherte ihm am Donnerstag nach einer etwa einstündigen Sitzung die volle Unterstützung zu und erklärte, es trage die strategische Ausrichtung des Unternehmens in vollem Umfang mit. Zugleich entschied der Aufsichtsrat überraschend, Vorstandsmitglied Wolfgang Bernhard werde nicht die Mercedes-Leitung übernehmen.

Bernhard war designierter Nachfolger von Jürgen Hubbert. Dieser werde nun bis auf weiteres die Verantwortung für die Mercedes Car Group behalten.

Vergangene Woche hatte DaimlerChrysler seinem angeschlagenen Partner Mitsubishi Motors überraschend den Geldhahn zugedreht. Dies war von Beobachtern als ein Scheitern von Schrempps Strategie der Welt AG interpretiert worden. Der Konzernchef war daraufhin deutlich in die Kritik geraten.

Zugleich überraschte DaimlerChrysler mit seinem Quartalsergebnis die Analysten positiv. Im ersten Quartal steigerte der Konzern seinen operativen Gewinn kräftig. Der Betriebsgewinn stieg um 10 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro. Der Anstieg sei trotz der Belastungen aus dem Maut-Debakel und der andauernden Kosten für die Sanierung der US-Sparte erzielt worden. Bei Chrysler verdoppelte sich der operative Gewinn fast und betrug 298 Mio. Euro. Die Belastungen durch Toll Collect bezifferte der Autobauer auf 279 Mio. Euro. Das Daimler-Papier legte an der Frankfurter Börse gegen den Trend zunächst kräftig zu, gab einen Teil der Gewinne im Handelsverlauf aber wieder ab.

Das Konzernergebnis sank den Angaben zufolge um über ein Drittel auf 393 Mio. Euro im ersten Quartal. Insgesamt setzte der Autobauer weltweit 1,1 Mio. Fahrzeuge ab; ein Plus von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der Umsatz ging auf 32,4 Mrd. Euro zurück. Grund für den Rückgang sei maßgeblich die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar.

HVB-Experte Georg Stürzer bewertete den Betriebsgewinn als "wirklich gut". Es habe den Anschein, dass Chrysler auf dem Weg der Besserung sei. Die meisten Analysten hatten mit einem operativen Gewinn von 1,4 Mrd. Euro gerechnet.

Der Konzern bekräftigte seine Prognose für 2004. Auch bei Chrysler wird ein deutlich positives Ergebnis erwartet. Die Ergebnisauswirkungen aus der 37-prozentigen Beteiligung bei Mitsubishi Motors könnten noch nicht vollständig eingeschätzt werden. Die Belastung werde jedoch deutlich geringer ausfallen, als es bei einer Teilnahme an einer Kapitalerhöhung von Mitsubishi der Fall gewesen wäre.

Die Zuspitzung bei Mitsubishi hatte auch die Position des langjährigen Konzernlenkers ins Wanken gebracht. Einem Zeitungsbericht zufolge soll Schrempp dem Aufsichtsrat in der vergangenen Woche seinen Rücktritt angeboten haben. Das Aufsichtsgremium sei davon völlig überrascht worden und wollte es nicht annehmen, berichtete die "Stuttgarter Zeitung" (Donnerstagausgabe). Acht von zwölf Vorständen hätten sich aber dagegen ausgesprochen, weitere Milliardensummen in Mitsubishi zu pumpen. An die Spitze der Schrempp-Kritiker setzten sich dem Bericht zufolge Finanzvorstand Manfred Gentz und Mercedes-Chef Hubbert. (APA/red)

29.4.2004 17:39