Donnerstag, 29. April 2004

VA Tech HV: Erhöhung des Kapital- rahmens überraschend abgelehnt

  • Hauptversammlung stimmte mit 53,1% dagegen
  • Ablehnung wurde nicht begründet

Bei der Hauptversammlung des börsenotierten Technologiekonzerns VA Tech ist es zu einem Knalleffekt gekommen: Die Mehrheit der stimmberechtigten Aktien lehnte die von Aufsichtsrat und Vorstand befürwortete Erhöhung des Kapitalrahmens um bis zu 7,5 Mio. junge Aktien bzw. 50 Prozent des Grundkapitals ab. Gegen den Plan stimmten die Gruppe des Industriellen Mirko Kovats um seine Victory Beteiligungsgesellschaft sowie weitere Gruppen von Aktionären, die den Wohnort Schweiz angaben. Auch die Bestellung der Wirtschaftsprüfungsfirma fiel nicht wie geplant aus: statt wie vorgesehen KPMG Alpentreuhand soll nun Ernst & Young den Jahresabschluss 2004 betreuen.

53,1 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre, darunter die von Mirko Kovats kontrollierten Aktienpakete, haben den Antrag, der dem Wunsch des VA Tech-Vorstandes entsprach, verworfen. Freilich hätte bereits eine Ablehnung von 25 Prozent plus einer Aktie den Wunsch für eine Kapitalerhöhung zu Fall gebracht, da für diese Maßnahme eine Dreiviertelmehrheit vonnöten ist.

Der Wechsel zur Wirtschaftsprüfungsfirma Ernst & Young wurde mit 54,1 Prozent der stimmberechtigten Aktien durchgesetzt. ÖIAG-AR-Chef Peter Michaels, der die Sitzung leitete, sprach von einem sehr ungewöhnlichen Vorgang". VA-Tech-Vorstandschef, Erich Becker, der zu den entschiedensten Befürwortern einer künftigen Kapitalerhöhung gehörte, erklärte ohne Namen zu nennen, "hier führt man ein Unternehmen an die Grenze der Führbarkeit". Er hätte erwartet, dass jemand, der im Aufsichtsrat dem Vorhaben zugestimmt habe, dies auch als Aktionär tue, sagte Becker.

Gegen beide Beschlüsse der Hauptversammlung wurde mehrfach Widerspruch eingelegt, Anfechtungsklagen sind zu erwarten.

Kovats-Vertreter Christian Hausmaninger, der in der Versammlung sich nicht zu seinem Stimmverhalten geäußert hatte, wies danach gegenüber der APA Absprachen mit anderen Aktionärsgruppen zurück: er habe lediglich für 12,53 Prozent des Kapitals (Kovats-Gruppe) gestimmt. Zur Begründung seines Stimmverhaltens sagte Hausmaninger, es sei "im Vorfeld der Hauptversammlung nicht geglückt, wesentliche übernahmerechtliche Fragen mit ÖIAG und Übernahmekommission zu klären". Sein Stimmverhalten für die Kovats-Gruppe sei eine "Vorsichtsmaßnahme" gewesen.

Informationen zufolge soll die Übernahmekommission vor der Hauptversammlung die ÖIAG schriftlich davor gewarnt haben, in Abstimmung mit der Victory-Gruppe zu stimmen, da sonst ein Übernahmeangebot ausgelöst werden könnte.

Der Vorsitzende der Übernahmekommission, Peter Doralt, sagte nach der Sitzung, dies sei die "spannendste Hauptversammlung gewesen, die ich jemals erlebt habe". Es spräche "einiges dafür, dass sich die Kommission verstärkt damit befasst". Ob sie ein formelles Verfahren einleiten wird, wollte Doralt gegenüber der APA nicht sagen.

In der Hauptversammlung selbst hatte Doralt die Versammlung gewarnt, dass auch ein abgestimmtes Verhalten zwischen mehreren Aktionärsgruppen zu einer Verpflichtung führen könnte, ein Übernahmeangebot zu legen. "Für den Fall, dass das nicht geschieht, ruht das Stimmrecht. Das hat möglicherweise Bedeutung für die etwaige Anfechtung von Beschlüssen", sagte Doralt.

Anwesende Analysten, die nicht genannt werden wollte, werteten die Hauptversammlung als "mehr als Muskelspiel von Kovats". "Wenn man sich die Zahlen genauer anschaut, sieht man, dass das Unternehmen Kapital benötigt." Genau diese Kapitalzufuhr sei aber durch die Beschlüsse verunmöglicht worden. "Es könnte der Beginn einer Entwicklung in Richtung auf die Zerlegung der VA Tech in einzelne Teile sein", meinte einer der Beobachter. (apa/red)

29.4.2004 16:50