Mittwoch, 28. April 2004

Wilder Streik bei Alitalia: Arbeitsnieder- legungen kosteten bisher 40 Mio. Euro!

  • 1.300 Alitalia-Flüge in drei Tagen gestrichen
  • Ab Montagabend drohen auch Bahnstreiks

Der "wilde" Streik der Alitalia-Belegschaft hat der konkursbedrohten italienischen Fluggesellschaft Alitalia über 40 Mio. Euro gekostet und zur Streichung von 1.300 Flügen in drei Tagen geführt. 160.000 Passagiere konnten in diesen Tagen nicht fliegen, hieß es aus Alitalia-Kreisen am Freitag. Mit einer Normalisierung der Lage im italienischen Flugverkehr sei nicht vor Montag zu rechnen, meldete Alitalia.

Auf den italienischen Flughäfen kam es zum dritten Tag in Folge zu chaotischen Zuständen. Im ganzen Land saßen Tausende Reisende fest. Vor allem Ausländer, die über den Streik nicht informiert waren, verbrachten Stunden in den Flughafenhallen. Vor den Alitalia-Schaltern am römischen Flughafen von Fiumicino protestierten wütende Passagiere wegen der Streichung ihrer Flüge. Die Abflughalle des Flughafens verwandelte sich in einen "Campingplatz" für Passagiere.

Der römische Polizeichef Achille Serra ordnete die zwangsmäßige Einberufung des Alitalia-Personals ein. Angestellte, die sich nicht zur Arbeit melden, droht ein Strafverfahren wegen Verweigerung des öffentlichen Dienstes. Bediensteten in Rom drohten damit, sich krank schreiben zu lassen, um somit den Protest fortzusetzen.

Gegen den unangemeldeten Streik, der seit drei Tagen den italienischen Flugverkehr lahm legt, protestierte die Regierung Berlusconi heftig. "Wir begreifen die Sorgen der Alitalia-Belegschaft, doch wilde Streiks sind verantwortungslose Initiativen", kritisierte Italiens Vizepremier Gianfranco Fini. "Wenn die illegale Blockade anhält, fangen die Verhandlungen über die Alitalia-Krise vielleicht gar nicht erst an", warnte Maroni am Freitag die Streikenden. Das römische Schatzministerium hält noch einen 62-Prozent-Anteil an der Alitalia.

Der Dauerstreik brachte die Gewerkschaften in Verlegenheit. Sie hatten sich am Donnerstagabend mit der Regierung Berlusconi für ein sofortiges Ende der Protestaktionen verpflichtet, nachdem das Kabinett dem Beginn der Verhandlungen am kommenden Montag grünes Licht gegeben hatte. "Die Position der Gewerkschaften wird geschwächt, wenn das Alitalia-Personal Tage lang den italienischen Flugverkehr lahm legt", so der Chef des Gewerkschaftsverbands UIL, Luigi Angeletti, der das Alitalia-Personal dringend aufrief, die Arbeit wieder aufzunehmen.

Die Arbeitnehmerorganisationen erklärten sich bereit, auf Protestaktionen zu verzichten, wenn die Regierung ein Paket mit Hilfsmaßnahmen für die Flugbranche verabschiedet. Die Regierung hatte das Paket angekündigt, kurz danach aber einen Rückzieher gemacht. Gegen das Maßnahmendekret stemmt sich aus Spargründen Wirtschaftsminister Giulio Tremonti. Seiner Ansicht nach sind die Förderungsmaßnahmen für den Flugverkehr sinnlos, weil davon bis zu 70 Prozent Konkurrenten der Alitalia profitieren würden. Ohne einen einschneidenden Sanierungsplan könne Alitalia nicht gerettet werden.

Behinderungen im internationalen Reiseverkehr mit Italien drohen ab Montagabend auch bei der Bahn. Geplant ist ein 24-stündiger Streik des Personals der italienischen Staatsbahn von Montag um 21.00 Uhr. Die Streikbeteiligung sollte sich jedoch in Grenzen halten. Nach Angaben der italienischen Bahnen werden dementsprechend zwei Drittel der Langstreckenzüge planmäßig unterwegs sein. (apa/red)

28.4.2004 16:58