Disney verteidigt Unabhängigkeit - Comcast stoppt Übernahmeversuch
- Kabelnetzbetreiber zieht 66-Mrd.-Dollar-Angebot zurück
- Wegen hoher Schulden wenig Spielraum
Der Unterhaltungsriese Disney jubelt: Er hat seine Unabhängigkeit erfolgreich verteidigen können. Der US-Kabelnetzbetreiber Comcast gab seinen feindlichen Übernahmeangriff nach zweieinhalb Monaten auf. Comcast habe das Angebot im Wert von 66 Mrd. Dollar (55,4 Mrd. Euro) angesichts fehlenden Interesses bei Disney zurückgezogen, sagte Firmenchef Brian Roberts. Man müsse wissen, wann es Zeit sei aufzugeben.
Damit dürfte der seit Monaten andauernde Druck auf Disney-Chef Michael Eisner nachlassen. Einflussreiche Aktionäre wie Walt Disneys Neffe Roy Disney hatten seinen Rücktritt gefordert und ihn aus dem Vorsitz im Verwaltungsrat gedrängt.
Zum Bruch der Partnerschaft mit dem erfolgreichen Animationsstudio Pixar ("Findet Nemo") kamen schlechte bis katastrophale Ergebnisse eigener Produktionen hinzu. Zuletzt landete die Filmsparte einen spektakulären Flop mit dem Geschichtsepos "The Alamo", das bei Produktionskosten von mehr als 100 Mio. Dollar am ersten Wochenende gerade einmal 9 Mio. Dollar einspielte.
Roberts' erste große Niederlage
Für den 44-jährigen Roberts ist es die erste große Niederlage, nachdem er 2002 durch die ebenfalls unfreundliche Übernahme der AT&T-Kabelsparte das einstige Familienunternehmen zum US-Marktführer ausgebaut hatte. Da der Konzern trotz eines rasanten Schuldenabbaus noch mit 22 Mrd. Dollar in der Kreide steht, hatte Roberts wenig Spielraum für einen langen Konflikt mit Disney.
Comcast wollte mit der Disney-Übernahme eigene Inhalte für die Kabelnetze gewinnen, zumal zu dem Unterhaltungsriesen auch die ABC-Fernsehkanale gehören. Comcast hat bisher nur kleine Sender wie den Golf-Kanal und E! Entertainment Television.
Comcast hatte am 11. Februar 0,78 eigene stimmberechtigte Aktien pro Disney-Anteil geboten. Im Kaufpreis von 66 Mrd. Dollar war auch die Übernahme von 11,9 Mrd. Dollar Disney-Schulden enthalten.
Comcast bedient in den USA mehr als 21 Mio. Kabelanschlüsse und 5 Mio. Breitbandzugänge. In den 20 wichtigsten US-Ballungsgebieten liegt der Marktanteil bei 70 Prozent. Das Unternehmen mit Sitz in Philadelphia hat 60.000 Beschäftigte.
(apa, red)
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