Chronologie der Übernahmeschlacht - Aventis gibt nach drei Monate nach
- Weit kleinerer Sanofi-Konzern übernimmt Pharmariese
- Auch Schweizer Pharmafirma in Schlacht involviert
Der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis hat nachgegeben und lässt sich vom Konkurrenten Sanofi übernehmen. Damit geht eine rund drei Monate dauernde Abwehrschlacht des Unternehmens gegen den kleineren Rivalen zu Ende. Im folgenden eine kurze Chronik der Ereignisse.
25. Jänner 2004: Ein Vorstandsmitglied der französischen Pharma-Gruppe Sanofi bestätigt Berichte über eine geplante feindliche Übernahme des deutsch-französischen Konkurrenten Aventis.
26. Jänner: Sanofi-Synthelabo startet eine feindliche Übernahme und legt den Aktionären des Konkurrenten ein Angebot von insgesamt 47,8 Mrd. Euro vor. Der Aventis lehnt das Angebot des kleineren Rivalen umgehend ab und rüstet sich für eine Abwehrschlacht.
27. Jänner: Im Übernahmepoker wächst die Sorge über die Zukunft der 9.000 Arbeitsplätze des Pharmakonzerns in Deutschland. Auch der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sieht die Stellen in Gefahr.
28. Jänner: Der Aventis-Aufsichtsrat lehnt das Übernahmeangebot von Sanofi einstimmig ab. Bundeskanzler Gerhard Schröder beauftragt Wirtschaftsminister Clement, die Hintergründe der geplanten Übernahme durch den kleineren Konkurrenten Sanofi zu prüfen.
29. Jänner: Aventis-Chef Igor Landau verwirft das feindliche Übernahmeangebot von Sanofi als "lächerlich" und schwört sein Unternehmen auf einen monatelangen Kampf ein. Außerdem mahnt die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs Sanofi wegen seiner Anzeigenkampagne im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Aventis ab.
30. Jänner: Nach Einschätzung von Landau wird eine feindliche Übernahme vor allem Arbeitsplätze in Frankreich kosten.
31. Jänner: Zur Abwehr der angedrohten feindlichen Übernahme zieht Aventis auch ein Gegenangebot für Sanofi-Synthelabo in Betracht. Auch nach einem "Weißen Ritter" hält der Konzern Ausschau.
3. Februar: Rund 5.000 Aventis-Beschäftigte protestieren auf einer Betriebsversammlung in Frankfurt am Main gegen die drohende feindliche Übernahme durch Sanofi.
5. Februar: Im Abwehrkampf gegen eine feindliche Übernahme durch Sanofi verspricht Aventis seinen Aktionären bis mindestens 2007 weiter zweistellige Gewinnsprünge. Auf einer Bilanzpressekonferenz gibt Aventis bekannt, 2003 beim Gewinn zweistellig zugelegt zu haben.
7. Februar: Unbeeindruckt von den guten Aventis-Geschäftszahlen hält Sanofi-Synthelabo an seinen Plänen für eine feindliche Übernahme fest.
13. Februar: Aventis will die formelle Genehmigung der französischen Börsenaufsicht AMF für den feindlichen Übernahmeversuch von Sanofi vor einem Pariser Berufungsgericht angefechten.
16. Februar: Im Milliardenpoker um Aventis verzichtet Sanofi zunächst auf ein höheres Übernahmeangebot und will die Aktionäre mit besseren Zukunftsperspektiven überzeugen. Der französische Pharmakonzern hat seinen Nettogewinn im Jahr 2003 um 18 Prozent auf 2,08 Mrd. Euro gesteigert.
17. Februar: Begleitet von neuen Spekulationen über einen "Weißen Ritter" für Aventis startet Sanofi offiziell seinen feindlichen Übernahmeversuch.
4. März: Der Schweizer Pharmakonzern Novartis schließt ein Eingreifen als "Weißer Ritter" in der Übernahmeschlacht der beiden Pharmakonzerne Aventis und Sanofi nicht aus.
5. März: Aventis warnt vor einem massiven Stellenabbau in Deutschland und Frankreich nach einer Übernahme durch Sanofi.
8. März: Sanofi warnt vor einem Stellenabbau im Falle eines Zusammenschlusses von Aventis mit Novartis.
12. März: Der Basler Pharmakonzern Novartis schaltet sich in den Übernahmekampf um den deutsch-französischen Pharmakonzern ein und bestätigt die Prüfung einer möglichen Fusion.
15. März: Nach den französischen können jetzt auch die deutschen Aventis-Aktionäre dem Pharmakonzern Sanofi-Synthelabo ihre Papiere anbieten.
19. März: Aventis fordert ein klares Bekenntnis der deutschen Politik in seinem Kampf um eine feindlich Übernahme durch Sanofi-Synthelabo.
26. März: Aventis macht sich bei der französischen Regierung für seinen möglichen "Weißen Ritter" Novartis stark.
2. April: Das deutsch-französische Pharmaunternehmen ruft Novartis offiziell als "Weißen Ritter" zu Hilfe.
20. April: Aventis verklagt Sanofi in USA wegen der angekündigten feindlichen Übernahme.
22. April: Novartis gibt dem Werben von Aventis nach und kündigt Verhandlungen über einen Zusammenschluss zum weltweit zweitgrößten Pharmakonzern an.
23. April: Die französische Börsenaufsichtsbehörde AMF beurteilte den Aventis-Plan, zur Abwehr von Sanofi Optionsscheine an seine Aktionäre auszugeben, als Verstoß gegen die Marktregeln.
25. April: Aventis nimmt ein neues, um 16 Prozent erhöhtes Übernahmeangebot von Sanofi an.
04.Mai: Die französische Börsenaufsicht AMF billigt das Angebot des französischen Pharmakonzerns Sanofi-Synthelabo für Aventis.
12.Mai: Die Angebotsfrist für das neue aufgestockte Offert des französischen Pharmakonzern Sanofi-Synthelabo für den größeren Rivalen Aventis beginnt.
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