Montag, 26. April 2004

Nach Ausstieg von DaimlerChrysler: Mitsubishi-Chef Eckrodt tritt zurück!

  • Mehr als fünf Milliarden Euro für Sanierung nötig
  • Rolf Eckrodt war von DaimlerChrysler eingesetzt worden

Mitsubishi-Chef Rolf Eckrodt ist nach dem Rückzug von DaimlerChrysler bei dem angeschlagenen japanischen Autohersteller zurückgetreten. Mit diesem freiwilligen Schritt wolle er einem neuen Team den Platz freimachen, teilte Eckrodt am Montag in Tokio mit. Der DaimlerChrysler-Manager war 2001 als Sanierer zu Mitsubishi Motors entsandt worden.

Nach einer Aufsichtsratssitzung hatte DaimlerChrysler vergangene Woche überraschend mitgeteilt, dass man sich nicht an der geplanten Kapitalerhöhung bei Mitsubishi beteiligen und die weitere finanzielle Unterstützung einstellen werde.

In Branchenkreisen in Tokio wurde jedoch nicht ausgeschlossen, dass DaimlerChrysler am Ende doch wieder mit Mitsubishi Motors zusammenfindet, sofern die Japaner zu einem höheren finanziellen Eigenbeitrag bereit sind als bisher. Mitsubishi braucht dem Vernehmen nach mehr als fünf Mrd. Euro frisches Kapital.

Nach dem Ergebniseinbruch bei Mitsubishi im Geschäftsjahr 2003/2004 (31. März) hatte DaimlerChrysler ein Management-Team nach Tokio geschickt, um einen Sanierungsplan zu erarbeiten. Dabei konnte jedoch keine Lösung gefunden werden, die zu einem für DaimlerChrysler akzeptablen Ergebnis führt.

Allein sähe sich die Mitsubishi-Gruppe außer Stande, genug Kapital zur Sanierung der Autotochter aufzubringen. Man erkenne die Notwendigkeit einer Hilfe von außen. Die Mitsubishi-Gruppe hat derweil unter Führung des designierten Chairmans bei Mitsubishi Motors, Yoichiro Okazaki, ein neues Team gebildet, das im Mai einen neuen Sanierungsplan vorlegen soll. Aus "Verantwortung" mache er Platz für die neue Mannschaft, sagte Eckrodt. Eckrodt war im Jänner 2001 als COO verantwortlich für das Autogeschäft zu Mitsubishi Motors gekommen. Seit Juni 2002 war er Präsident und CEO.

Eckrodt drückte Kostensenkungen durch, spaltete die Nutzfahrzeugsparte Fuso ab, ließ die Produkt-Pipeline füllen und straffte das Vertriebsnetz der Japaner. Mitsubishi wurde in Europa wieder profitabel. Die Verluste in Japan wurden halbiert, die Gewinne in Asien verdreifacht und die in Amerika verdoppelt. Doch das Amerika-Geschäft wurde zum Verhängnis.

In Nordamerika waren die Absätze jahrelang durch laxe Kreditvergaben aufgebläht worden. Als die Konzernzentrale in Tokio dies 2003 erkannte und durchgriff, war es zu spät. Mitsubishi musste Verlust-Rückstellungen in Millionenhöhe bilden. Mit dem Rückzug bei Mitsubishi beende der 61-Jährige Eckrodt am Montag zugleich seine vor 38 Jahren begonnene Karriere im Automobilgeschäft, wie das Unternehmen mitteilte. Er sollte zum Jahresende in Ruhestand gehen.
(APA/red)

26.4.2004 12:47