Montag, 26. April 2004

EU erlaubt Übernahme von Aventis durch Sanofi-Synthelabo unter Auflagen

  • Aventis stimmte zuvor 54-Milliarden-Euro-Angebot zu
  • PLUS: Die ganze Chronologie der Übernahme-Schlacht

Die EU-Kommission hat dem französischen Pharmakonzern Sanofi-Synthelabo die Übernahme des deutsch-französischen Konkurrenten Aventis mit Auflagen erlaubt. Damit Europas künftiger Branchenführer nicht zu mächtig wird, forderte die Kommission Sanofi in Brüssel auf, bestimmte Medikamente abzugeben oder per Lizenz für Konkurrenten zugänglich zu machen.

Aventis hatte nach monatelangem Tauziehen ein kräftig aufgestocktes Übernahmeangebot von Sanofi-Synthelabo angenommen. Die Kommission prüfte das Angebot drei Monate lang. Bedenken gab es vor allem bei Medikamenten gegen Thrombosen, Darmkrebs und Schlaflosigkeit.

Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq rechnet damit, dass der Pharma-Riese schon Anfang 2005 funktionsfähig sein wird. Juristisch könne die Fusion schon Ende des zweiten Quartals über die Bühne gehen, aber danach stehe die praktische Umsetzung bevor.

Sanofi machte in zwölf Pharmamärkten Zugeständnisse, die teilweise nur bestimmte Länder in Europa betreffen. Sanofi verpflichtete sich, die Fabrik für die Thrombose-Mittel Fraxiparine und Arixtra in Nord- Frankreich an den Konkurrenten GlaxoSmithKline zu verkaufen. Aventis wird auf die Lizenzrechte des Darmkrebs-Mittels Campto verzichten.

Die Kommission sei überzeugt, dass die Verpflichtungen den freien Wettbewerb erhalten, hieß es in einer Mitteilung. Die US- Wettbewerbshüter trafen laut Brüsseler Angaben noch keine Entscheidung.

Angebot von 54 Milliarden Euro: Aventis stimmt zu
Aventis hat nach Angaben von Sanofi-Synthelabo einem verbesserten Übernahmeangebot im Volumen von rund 54 Mrd. Euro zugestimmt und damit einen monatelangen Abwehrkampf beendet. Mit dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen entstünde der weltweit drittgrößte Pharmakonzern nach Branchenprimus Pfizer und der britischen GlaxoSmithKline.

Der Aventis-Vorstand und -Verwaltungsrat habe das nunmehr freundliche Offert akzeptiert, teilte der kleinere Konkurrent Sanofi mit. Die Gruppe werde "Sanofi-Aventis" heißen. Das neue Angebot beinhalte fünf Sanofi-Aktien je sechs Aventis-Aktien plus 120 Euro in bar. Alternativ gebe es auch ein reines Aktien- und ein reines Barangebot. Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq werde dem fusionierten Konzern vorstehen.

Reaktionen
Während sich die französische Regierung bereits positiv äußerte, hielt sich die deutsche Regierung mit Kommentaren zurück. Die Fusion sei eine Entscheidung der Unternehmen, die die Regierung nicht weiter kommentiere. Eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte, der Minister werde in weiteren Gesprächen mit den Unternehmen das Interesse zum Ausdruck bringen, dass Arbeitsplätze in Deutschland erhalten blieben. Berlin äußerte lediglich die Erwartung, dass der Frankfurter Aventis-Standort durch die Fusion mit dem Pariser Konkurrenten Sanofi-Synthelabo gestärkt werde.

Facts and Figures
Der fusionierte Sanofi-Aventis-Konzern käme auf einen Jahresumsatz von rund 25 Mrd. Euro und würde weltweit rund 110.000 Mitarbeiter beschäftigen. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 24. Mai sollen Sanofi-Aktionäre dem neuen Offert zustimmen.

Die beiden Sanofi-Hauptaktionäre, der Kosmetikkonzern L'Oreal und der Mineralölkonzern Total, unterstützten das neue Angebot. Das reine Aktienangebot beinhalte 1,1739 Sanofi-Aktien je Aventis-Aktie, teilte Sanofi weiter mit. Beim reinen Barangebot erhielten Aventis-Aktionäre 68,93 Euro je Aventis-Papier. Das Direktorium der entstehenden neuen Gruppe werde 17 Mitglieder aufweisen, teilte Sanofi weiter mit. Neben Konzernchef Dehecq kämen je acht Mitglieder von Aventis und von Sanofi in das Gremium.

Aktieneinbruch
Nach der Ankündigung ihres Zusammenschlusses haben die Aktien der Pharmaunternehmen Sanofi-Synthelabo und Aventis zu Handelsbeginn in Paris deutlich nachgegeben. Sanofi-Titel eröffneten mit 51,20 Euro um 8,5 Prozent im Minus; Aventis-Papiere verloren 5,7 Prozent auf 62,50 Euro. Der Dow-Jones-Branchenindex legte um 0,25 Prozent zu. Die Titel beider Unternehmen waren zuvor vom Handel ausgesetzt worden.
(APA/red)

26.4.2004 10:32