26.4.2004 14:02

Österreichs Eishockey-Cracks spielen gegen die Schweiz 4:4-Unentschieden

  • Im letzten Drittel wurde eine 4:1-Führung vergeben
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Im dritten Vorrunden-Spiel der Eishockey-WM in Tschechien erreichte Österreich gegen die Schweiz ein 4:4 (0:0,4:1,0:3)-Unentschieden. Nach zwei Dritteln waren die ÖEHV-Cracks noch mit 4:1 in Führung gelegen, der Ausgleich fiel erst 22 Sekunden vor Schluss. Damit ist die österreichische Auswahl zwar ungeschlagen in die Zwischenrunde aufgestiegen, hat aber eine bessere Ausgangsposition für die nächste Turnierphase verpasst.

Welser (24./PP), Vanek (32.), P. Lukas (35./PP) und Unterluggauer (40./PP) verwandelten im zweiten Drittel ein 0:1 in ein 4:1, doch die Eidgenossen schlugen im Schlussabschnitt zurück und kamen 22 Sekunden vor Schluss noch zum 4:4, wodurch Österreich mit zwei Punkten in die Zwischenrunde startet.

Erstes Drittel dank Divis torlos
Im ersten Drittel hatten die Österreicher große Probleme mit den Schweizern, die von ihrem Teamchef und Ex-Feldkirch-Erfolgscoach Ralph Krueger blendend eingestellt worden waren. Durch aggressives Forechecking unterbanden die Eidgenossen einen geordneten Spielaufbau von Vanek und Co., die sich im ersten Spielabschnitt bei Goalie Reinhard Divis bedanken konnten, nicht in Rückstand geraten zu sein.

ÖEHV-Cracks spielten im zweiten Abschnitt groß auf
44 Sekunden nach Wiederbeginn war aber sogar der NHL-erprobte Torhüter machtlos, als er einen Schuss von Paterlini nur kurz abwehrte und Streit auf 1:0 für die Schweiz stellte. Erst mit dem Gegentreffer erwachten die Schützlinge von Teamchef Pöck und sorgten durch Welser (24.) mit ihrer ersten gelungenen Powerplay-Aktion für den Ausgleich.

Danach folgten die jedoch nur scheinbar zu Gunsten der ÖEHV-Truppe entscheidenden Minuten: Zunächst vergaben die Schweizer in der 26. Minute eine Riesen-Chance auf die neuerliche Führung, ehe sie zwischen der 27. und 29. Minute ein 5:3-Überzahlspiel (Unterluggauer und Setzinger saßen nach Doppelausschluss auf der Bank) und gleich darauf eine 5:4-Überlegenheit ausließen.

Die Österreicher kamen in dieser Phase dank klugem Defensiv-Spiel und einer starken Darbietung von Reinhard Divis über die Runden und tankten dadurch so viel Selbstvertrauen, dass sie in den nächsten Minuten davonzogen. Vanek brachte die ÖEHV-Auswahl, die zuvor erstmals im Turnierverlauf in Rückstand gelegen war, mit 2:1 in Führung (32.) und bereitete das 3:1 durch P. Lukas (35./PP) optimal vor, wodurch der 20-jährige Jung-Star seine Führung in der WM-Scorerliste (zwei Tore, fünf Assists) ausbaute. Wenige Sekunden vor dem Ende des zweiten Drittels gelang Unterluggauer wieder im Powerplay das 4:1.

Ausgleich 22 Sekunden vor Schluss
Im Schlussabschnitt aber bliesen die Schweizer zur Aufholjagd, die von Plüss (42.) eröffnet wurde und durch Jenni (54.) und Rüthemann (60./22 Sekunden vor Schluss) noch mit einem Unentschieden belohnt wurde. Ausgerechnet Goalie Divis machte beim Ausgleich keine gute Figur. Seine Teamkollegen Szücs (52.) und Setzinger (54.), die beide allein am Schweizer Goalie Gerber scheiterten, hätten den Österreichern ruhigere Schlussminuten bescheren können.

Stimmen zum Spiel:
ÖEHV-Teamchef Herbert Pöck: "Bleiben wir am Boden, auch wenn wir uns ärgern. Die Mannschaft ist fuchsteufelswild. Wir hätten den Sack normalerweise zumachen müssen. Die Schweizer haben volles Risiko genommen und Glück gehabt. Wenn wir nur mit einem Punkt Lehrgeld zahlen, bin ich zufrieden. Wir sollten uns jetzt nicht verrückt machen lassen. Wir sind ungeschlagen und nehmen zwei Punkte mit. Gegen Favoriten haben wir zwei Punkte gemacht. Wir haben gegen Deutschland und Lettland eine 50:50-Chance. Die Frage wird sein, haben wir in diesen Spielen die Kraft."

Reinhard Divis: "Das dritte Tor der Schweizer darf man nicht geben, da ist ein Schweizer auf mir gelegen. Beim vierten Tor muss ich ein Bully machen, und dann schießt der auch noch aus der Luft ein Tor. Wir haben gegen Kanada und die Schweiz zwei Punkte verschenkt, trotzdem überwiegt das Positive."

Oliver Setzinger: "Das ist ein verlorener Punkt. Bitter, dass wir den Vorsprung nicht rüber bringen konnten. Wir haben bei 4:3 zu viele Chancen vergeben."

Ralph Krueger (Schweizer Teamchef): "Nach dem 1:0 habe ich auf das zweite Tor von uns gewartet, der Ausgleich war dann wie ein Schock. Wir waren dann wie gelähmt, nicht nur ich. Ein Weltklasse-Gerber im Tor hat uns noch einen Punkt gerettet, der Gold wert sein kann. In der letzten Drittel-Pause habe ich der Mannschaft die Frage gestellt: Was ist unser Charakter? Man kann ein schlechtes Drittel spielen, aber was macht man dann? Die Österreicher haben im zweiten Drittel gezeigt, dass ihr Eishockey große Fortschritte gemacht hat. Ich danke den Österreichern für diese Lehrstunde, die wir bekommen haben."

Österreich - Schweiz 4:4 (0:0,4:1,0:3)
Prag, Sazka-Arena, 8.000, Hansen/Coenen/Lesnjak (NOR/NED/SLO)

Tore: Welser (24./PP), Vanek (32.), P. Lukas (35./PP), Unterluggauer (40./PP) bzw. Streit (21.), Plüss (42.), Jenni (54.), Rüthemann (60.)
Strafminuten: 10 bzw. 14

Österreich: Reinhard Divis - A. Lakos, Ulrich; R. Lukas, Pöck; P. Lakos, Unterluggauer - Trattnig, Kalt, Vanek; Peintner, P. Lukas, Szücs; Setzinger, Koch, Welser; Raimund Divis, Kaspitz, Ch. Harand

Schweiz: Gerber; Streit, Keller; Hirschi, Steinegger; Seger, Forster; Vauclair - Paterlini, Ziegler, Rüthemann; Wichser, Plüss, Della Rossa; Fischer, Cereda, Bezina; Wirz, Ambühl, Jenni; Jeannin

Beste Österreicher: Vanek, Welser, Unterluggauer

(apa/red)

26.4.2004 14:02
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