Donnerstag, 29. April 2004

Auch Krankl gibt zu: Zweite Halbzeit gegen Luxemburg war katastrophal

  • "Frustriert und deprimiert" über peinliche Leistung
  • Der "Rudelführer" stellt sich aber vor seine Spieler

Während Hans Krankl noch unmittelbar nach Schlusspfiff versucht hatte, die schwache Darbietung des ÖFB-Teams gegen Luxemburg schön zu reden, gab er sich bei der Pressekonferenz am Tag danach schon realistischer. Der Nationaltrainer konnte am Donnerstag die "völlig richtige Kritik, die in Ordnung und angebracht war" nachvollziehen. Auch er selber sei in der zweiten Halbzeit "frustriert und deprimiert" über die peinlich Leistunge gewesen.

Österreichs Fußball-Nationalmannschaft kam am Mittwoch in Innsbruck im ersten Heimländerspiel des Jahres zu einem 4:1-Erfolg gegen Luxemburg, aber beim ersten Sieg seit 20. August 2003 (2:0 gegen Costa Rica) war für Hans Krankl am Tag danach nur das Ergebnis zufrieden stellend: "Das Beste an dem Spiel ist das Resultat. Aber die zweite Halbzeit war eine Katastrophe und in allen Belangen grottenschlecht."

"Rudelführer" Krankl beschützt seine Mannschaft
Bei der Nachbetrachtung konnte der ÖFB-Teamchef am Donnerstag die "völlig richtige Kritik, die in Ordnung und angebracht war" nachvollziehen. "Es ist aber mein Job als Trainer mich vor die Mannschaft zu stellen. Ich streiche in der Öffentlichkeit das Positive heraus, aber natürlich bin ich auch deprimiert über die zweite Halbzeit. Wogegen ich mich aber verwehre ist Schwarzmalerei. Dagegen kämpfe ich an und lasse sie nicht zu. Vielleicht ist es gefährlich sich immer vor die Spieler zu stellen, aber als 'Rudelführer' beschütze ich sie."

"Schlendrian" nach zwei schnellen Toren
Der Start verlief mit den schnellen Toren von Roland Kirchler und Debütant Markus Kiesenebner nach Wunsch ("Wir hatten einen sehr guten, idealen Beginn. Die ersten 30 Minuten waren in Ordnung", doch dann ist laut Krankl der "Schlendrian" eingekehrt. "Wir wollten nach der Pause noch einmal gleich Druck machen, doch dann fehlte völlig die taktische Disziplin. Der Block ist viel zu weit auseinander gestanden. Wir haben dem Gegner Räume gegeben, die auch Amateure ausnützen. Mit dem Anschlusstor ist dann noch die Angst dazugekommen. Erst mit den Toren am Schluss haben wir uns wirklich erfangen."

"Drittklassige Ausländer" bleiben weiterhin verantwortlich für Team-Misere
Als spärliche positive Erkenntnisse blieben für Hans Krankl die Leistungen von Kirchler ("nach dem Ausfall von Ivanschitz unser einzig Kreativer") , Kiesenebner ("ein Mann mit Zukunft") und beider Tormänner. Eine globale Schuldzuweisung sei aber unzulässig: "Dieser Kader ist mit Ausnahme von einigen Leuten, die verletzt gefehlt haben, unser Reservoir. Mehr haben wir derzeit nicht. Schuld sind die Leute, die 20 Jahre im Nachwuchs nichts getan haben und drittklassige Ausländer einsetzen. Auch ein Eriksson oder Advocaat könnte wenig ändern."

Auch Spieler unzufrieden nach schwacher Leistung
"Frustriert und deprimiert" über die peinliche Leistung sei der Teamchef während der zweiten 45 Minuten gewesen und "heilfroh" über die Tore von Mario Haas und Roland Kollmann in den letzten Minuten." Doch auch seine Spieler hätten die schwache Darbietung erkannt: "In der Kabine haben sie sich gefetzt. Auch sie erkennen die schwache Leistung und sind unzufrieden. Die zweite Halbzeit kann man nicht tolerieren, zu meiner Zeit als Spieler wäre bei einem 2:0 nach zehn Minuten die Post ohne Ende abgegangen."

(apa/red)

29.4.2004 13:27