Dienstag, 27. April 2004

"Tennis Classics" in Wien: Österreich unterliegt Deutschland mit 0:3!

  • Becker: "Wir können das immer noch ganz gut"
  • Rückspiel am 6. Mai in Hamburg

Deutschland gewann das Daviscup-Revival gegen Österreich in der Wiener Stadthalle mit 3:0. Zum Auftakt hatte sich Thomas Muster am Freitag Boris Becker vor über 4.000 Zuschauern in der Wiener Stadthalle nach 1:13 Stunden mit 4:6,3:6 geschlagen geben müssen. Im Anschluss unterlag Alexander Antonitsch Michael Stich nach fast zwei Stunden mit 6:7(5),6:7(6). Schließlich ging auch das Doppel in einem langen Satz mit 9:5 an die beiden Deutschen. Das Rückspiel findet am 6. Mai in Hamburg auf Sand statt.

Muster hielt im Duell zweier früherer Weltranglisten-Leader, mittlerweile beide 36 Jahre alt, im ersten Satz bis 4:4 mit, musste aber das Break zum 4:6 hinnehmen. Im zweiten Durchgang setzte sich Becker rasch mit 4:1 in Front und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.

"Wir können das immer noch ganz gut. Man hat gesehen, es war ein Spiel mit wenig Humor. Wir haben das Match sehr ernst genommen und wollten beide gewinnen", meinte Becker, der damit im Head-to-Head mit Muster auf 3:1-Siege erhöhte. Den bisher einzigen Erfolg hatte Muster im legendären Finale von Monte Carlo 1995 gefeiert, als er den "Roten Baron" mit 4:6,5:7,6:1,7:6,6:0 bezwungen hatte.

"Danke, dass Sie mich daran erinnern", meinte der Wien-Sieger von 1996 an diese Niederlage erinnert. Immerhin hatte er in diesem Sandplatz-Finale gegen Muster Matchball gehabt, im Verlauf seiner Karriere aber nie ein Turnier auf Asche gewonnen. Daviscup-Kapitän Muster freute sich vor allem über die teilweise tolle Stimmung in der Stadthalle. "Es ist wichtig, dass die Zuschauer eine Freude hatten. Es ist immer noch etwas ganz Besonderes für Österreich zu spielen. Ich hoffe, dass uns auch im Daviscup im September gegen England viele Leute unterstützen. Da geht es um viel", rührte der Neo-Funktionär schon die Werbetrommel für seine Premiere als Kapitän.

Die witzigste Szene im Duell Muster-Becker war der obligatorische Stadthallen-Zwischenruf "Horsti", den es seit vielen Jahren in Anspielung auf die besten Zeiten von Horst Skoff gibt. Musters Reaktion zu dem Besucher auf den Rängen: "Ich habe gewusst, dass Du noch da bist!" Zumindest im Match zwischen Muster und Becker war von einer ausgemachten Sache nichts zu bemerken. "Wen wir uns etwas ausgemacht hätten, dann würde es jetzt sicher nicht 2:0 für Deutschland stehen. Wir wollen ehrlichen Sport bieten", sagte Muster, der mit seinem Auftritt aber nicht sehr zufrieden war, vor allem mit seiner sonst starken Vorhand bemängelte er zu viele Eigenfehler.

Stich, der in der Stadthalle 1991 triumphiert hatte, hätte die Partie gegen Antonitsch wohl schneller zu seinen Gunsten beenden können. Das zweite Match hatte auf Grund des Klassenunterschieds eher Exhibition-Charakter. "Der Aufschlag hat wohl entschieden", meinte Stich nach dem vom Resultat her knappen Sieg. (apa/red)

27.4.2004 11:21