Montag, 26. April 2004

BP-Wahl: Haider-Wahlempfehlung schadete Ferrero-Waldner!

  • Ulram: "Vorher war es knapper"
  • Wien für ÖVP "organisatorisches Notstandsgebiet"

Nach Einschätzung der Politikwissenschafter Peter Ulram und Fritz Plasser hat die Wahlempfehlung der FP-Spitze für ÖVP-Präsidentschaftskandidatin Benita Ferrero-Waldner der Außenministerin geschadet. Der Wählerfluss von der SPÖ zu Ferrero-Waldner sei im Endeffekt schwächer gewesen, als vor der Wahlempfehlung erwartet. "Ich gehe nicht davon aus, dass das ein Schwerpunkt der geplanten ÖVP-Kampagne war. Das war in keiner Weise hilfreich", meint Ulram, dessen Fessel-Gfk-Institut im Wahlkampf für die ÖVP Umfragen erstellte.

Noch zu Jahresbeginn lag Fischer laut Ulram bis zu 13 Prozent voran, der Vorsprung sei im Wahlkampf aber geschrumpft, bis beide Kandidaten zu Ostern nahezu gleichauf gelegen seien. "In der letzten Woche ist es dann wieder auseinander gegangen", so Ulram. Als Gründe dafür nennt er "negative Mobilisierungseffekte" (vor allem in Wien) durch die "de-facto-Wahlempfehlung" der FPÖ für Ferrero-Waldner sowie deren vergleichsweise geringere Verankerung in ihrem parteipolitischen Umfeld. Genau beziffern wollte Ulram den Effekt der FP-Empfehlung aber nicht.

"Die geringe Wahlbeteiligung war sicherlich hilfreich für den SP-Kandidaten", glaubt Ulram. Denn die stärker parteigebundene Wählerschaft der SPÖ sei leichter mobilisierbar gewesen. Dennoch stimmten laut einer Fessel-GfK-Wahltagsbefragung acht Prozent der deklarierten SP- und 18 Prozent der deklarierten Grün-Sympathisanten für Ferrero-Waldner, während nur sechs Prozent der VP- und elf Prozent der FP-Präferenten für Fischer votierten. Außerdem konnte die VP-Kandidatin 58 Prozent der nicht-deklarierten überzeugen.

Von einem Lagerwahlkampf will Plasser daher nicht sprechen. Es habe im Gegenteil ein starkes "cross-voting" gegeben: "Jeder sechste Wähler hat gestern eine Wahlentscheidung getroffen, die konträr zu der Partei war, die er bei einer Nationalratswahl gewählt hätte." Dass die ÖVP mit einer anderen Kandidatin besser gefahren wäre, glaubt Plasser nicht: "Angesichts der Bundespolitischen Ausgangslage hätte ich meine Zweifel, dass es jemand anderer besser gemacht hätte."

An eine VP-interne Debatte über die Kandidatin glaubt Plasser dementsprechend nicht. Viel eher sei eine Diskussion über Fragen der Parteiorganisation und der Mobilisierungskapazität, vor allem in einigen Landesorganisationen zu erwarten. Besondere Probleme sieht Plasser für die ÖVP in Wien. Dem überdurchschnittlichen Mobilisierungspotenzial der SPÖ stehe in der Hauptstadt die "Diaspora" der ÖVP gegenüber. "Nur noch Konturen einer Partei" seien hier erkennbar, ein "organisatorisches Notstandsgebiet", urteilt Plasser.

In den Ergebnissen der Fessel-Umfrage ist ein klarer Trend der Wähler zur späten Entscheidung erkennbar: Während bei der Präsidentenwahl 1986 noch 85 Prozent der Wähler angaben, ihre Entscheidung bereits vor dem Wahlkampf getroffen zu haben, waren es am Sonntag nur noch 75 Prozent. Besonders von diesem Trend profitieren konnte Ferrero-Waldner: Wähler, die sich erst wenige Tage vor der Wahl festlegten, wählten zu 58 Prozent die Außenministerin. Wessen Wahlentscheidung schon länger feststand, machte sein Kreuz dagegen zu 55 Prozent bei Fischer.

Bei den Frauen hatte laut Fessel-GfK die Außenministerin die Nase vorn (50 zu 48), lediglich die Pensionistinnen wählten großteils Fischer (55 zu 43). Während das Bildungsniveau "nahezu irrelevant" war (Plasser), sind bei den Berufsgruppen deutliche Unterschiede erkennbar: 59 Prozent der Selbstständigen und Bauern wählten Ferrero-Waldner. Für Fischer stimmten dagegen 49 Prozent der Angestellten und Beamten, 56 Prozent der Arbeiter sowie 54 Prozent der Pensionisten.

Wenig überraschend die Wahlmotive: Für Ferrero-Waldner stimmte, wer sich eine gute Außenvertretung wünscht und ihren Einsatz gegen die EU-Sanktionen schätzt. Fischer wurde laut Fessel-GfK gewählt, weil er für politischen Ausgleich steht und in Verfassungsfragen als kompetent gilt. Es habe also eine "Entscheidung zwischen zwei verschiedenen Amtsverständnissen" gegeben, glaubt Plasser. Wenig Einfluss auf das Wahlergebnis habe auch die TV-Konfrontation gehabt, die eher zur Verfestigung der vorhandenen Präferenzen geführt habe. (apa/red)

26.4.2004 12:48