Saudi Arabien: Westliche Ausländer verlassen das Land
- Anschlag auf europäische Ölfirma als Auslöser
- Soldaten schützen Wohnungen und Büros
Zwei Tage nach dem Anschlag auf das Büro einer internationalen Erdölgesellschaft in der saudischen Hafenstadt Janbu haben sich zahlreiche Ausländer auf ihre Ausreise vorbereitet. Die rund 100 Mitarbeiter des in Houston ansässigen schweizerisch-schwedischen petro-chemischen Unternehmens ABB Lummus und ihre Familien hätten die Absicht das Land zu verlassen, teilte ein westlicher Diplomat mit. Saudiarabische Soldaten fuhren unterdessen mit schweren Waffen auf, um die Wohnungen und Büros von westlichen Ausländern zu schützen.
US-Diplomaten forderten Amerikaner zur Ausreise auf. Die Botschaft in Riad erklärte, ihr Personal werde die diplomatischen Einrichtungen im Land vorerst nur noch in Notfällen verlassen. Alle Veranstaltungen wurden abgesagt. Der amerikanische Botschafter bereitete mit den Konzernmitarbeitern und anderen in Janbu lebenden US-Bürgern deren Abreise vor. Zunächst hieß es, nur ein Teil der ABB-Lummus-Mitarbeiter in Janbu werde Saudiarabien verlassen. In anderen Landesteilen hat die Firma mehr als 100 weitere stationiert.
Der britische Botschafter Sherard Cowper-Coles betonte, es werde trotz des Zwischenfalls keinen Massenexodus geben. Alles deutete allerdings auf eine große Ausreisewelle hin. Erst Mitte April hatten die USA vor Terroranschlägen gewarnt und alle US-Bürger zum Verlassen Saudiarabiens aufgerufen sowie das abkömmliche Botschaftspersonal aus dem Königreich abgezogen.
Vier bewaffnete Männer, nach Behördenangaben Brüder, waren in das Büro von ABB Lummus am Roten Meer eingedrungen und hatten um sich geschossen. Dabei wurden fünf ausländische Angestellte - zwei Amerikaner, zwei Briten und ein Australier - sowie ein Mitglied der saudiarabischen Nationalgarde getötet. Bis zu 50 Menschen wurden verletzt. Die vier Täter wurden schließlich von Sicherheitskräften erschossen.
Die Angreifer hatten einen der von ihnen Getöteten an die Stoßstange eines Autos festgebunden und bis zum Parkplatz einer Schule hinter sich her geschleift. Den Jugendlichen erklärten sie, die Leiche stehe für den amerikanischen Präsidenten. Gleichzeitig riefen sie dazu auf, gegen die US-Truppen im Irak zu kämpfen. Viele traumatisierte Schüler wurden von den Behörden deswegen betreut. (apa/red)
