Sonntag, 2. Mai 2004

Geiseldrama im Irak: Amerikaner schafft die lebensrettende Flucht!

  • Misshandlungsvorwürfe gegen US-Geheimdienst
  • PLUS BILDER: GIs posieren vor nackten Häftlingen

Ein im Irak entführter Amerikaner befindet sich wieder auf freiem Fuß, wie Militärsprecher Mark Kimmitt mitteilte. Der Mann entkam seinen Entführern offenbar und wurde von US-Truppen nahe Tikrit aufgegriffen, wie Kimmitt sagte. Der Lastwagenfahrer war nach einem Angriff auf seinen Konvoi am 9. April entführt worden. Der aus dem US-Bundesstaat Mississippi stammende Fahrer hatte Fernsehberichten zufolge möglicherweise als einziger den Überfall überlebt. Er arbeitete für eine Tochterfirma des Konzerns Halliburton. Nach Misshandlungsvorwürfen gegen ihre Soldaten hat unterdessen die zuständige US-Generalin einem Zeitungsbericht zufolge den Verdacht geäußert, die Taten in dem Bagdader Gefängnis seien von US-Geheimdienstmitarbeitern unterstützt worden. Unterdessen sind bei Angriffen im Irak erneut mindestens elf US-Soldaten getötet worden.

Der Hochsicherheitstrakt, in dem die Misshandlungen statt gefunden hätten, sei unter der strengen Kontrolle einer eigenständigen Gruppe des Militärgeheimdienstes gestanden, sagte Brigadegeneralin Janis Karpinski der "New York Times".

Diese hätten die Reservisten ihrer Einheit möglicherweise zu den Misshandlungen ermutigt, wenn nicht sogar die Anweisung dafür erteilt. Die Misshandlungen sind international und in den USA scharf verurteilt worden, auch von US-Präsident George W. Bush. Im Irak haben sie einen Aufschrei ausgelöst und die Gegner der US-Besatzung bestärkt.

Karpinski warf den US-Kommandanten im Irak vor, die Schuld an den schrecklichen Vorkommnissen nun ihr und den Reservisten zuzuschieben, um die Berufsoffiziere zu schonen. "Sie wollen die Schuld der Militärpolizei anlasten und hoffen, damit durchzukommen", zitierte das Blatt die Generalin, die inzwischen vom Dienst suspendiert und in die USA zurückgekehrt ist.

Ihr Fehler sei gewesen, dass sie den Trakt nie persönlich kontrolliert habe, sagte Karpinski weiter. Damit habe sie einem Wunsch der Geheimdienstoffiziere entsprochen, die die Sorge geäußert hätten, ein Besuch störe die Verhöre der Gefangenen. Keiner ihrer Kommandanten habe ihr je von möglichen Misshandlungen bei den Verhören berichtet. Mit ihren Äußerungen wolle sie aber die Brutalität der beteiligten Reservisten nicht verteidigen, betonte sie. "Das sind böse Leute", fügte sie hinzu.

Britische Militärs zweifeln an Echtheit irakischer Folterbilder
Britische Militärquellen zweifeln nach einem BBC-Bericht die Echtheit der am Samstag veröffentlichten Bilder von der Misshandlung eines Irakers durch britische Soldaten an. Der Fernsehsender zitierte am Sonntag Quellen aus dem Umfeld des Regiments, dessen Soldaten sich der Misshandlung schuldig gemacht haben sollen, mit den Worten, sie glaubten, dass der Gewehr- und der Lastwagentyp auf den Fotos von den Briten im Irak nicht benutzt werde. Die Zeitung "The Sunday Telegraph" meldete dagegen, die britische Militärpolizei bereite die Festnahme von sechs Soldaten vor, die der Tat verdächtigt würden.

Die Zeitung "Daily Mirror" hatte in ihrer Samstagsausgabe Fotos britischer Soldaten veröffentlicht, die einen Iraker dem Anschein nach mit Gewehrkolben schlagen und auf ihn urinieren. Premierminister Tony Blair verurteilte die Misshandlung als "völlig inakzeptabel". Er sagte in Dublin: "Wir sind in den Irak gegangen, um mit solchen Sachen Schluss zu machen, nicht um das selbst zu tun." Die Regierung versprach eine unabhängige Untersuchung.

Elf tote GIs bei Angriffen
Bei Angriffen im Irak sind erneut mindestens elf US-Soldaten getötet worden. Der schwerste Zwischenfall, bei dem allein sechs Soldaten ums Leben kamen und 30 verletzt wurden, ereignete sich nach Angaben einer Militärsprecherin bei Ramadi in der Provinz Anbar im Westen des Landes.

Die Soldaten bei Ramadi wurden nach Angaben der Sprecherin mit Mörsergranaten beschossen. Bei einem Angriff auf einen Stützpunkt der Koalitionsstreifkräfte im Norden des Irak wurde ebenfalls am Sonntag ein US-Soldat getötet. Zehn weitere Soldaten wurden nach Angaben des US-Heeres verwundet. Der Angriff ereignete sich in der Nähe der Stadt Kirkuk.

In der Nähe der südirakischen Stadt Amarah griffen nach Militärangaben schiitische Milizionäre in der Nacht einen US-Konvoi an und töteten zwei Soldaten. Zwei weitere kamen am Sonntagmorgen bei einem Angriff im Nordwesten von Bagdad ums Leben. Damit ist die Zahl der seit 1. April im Irak getöteten amerikanischen Soldaten auf 151 gestiegen. (apa/red)

2.5.2004 08:05