Unruhen im Süden Thailands: Mehr als 100 Tote bei Kämpfen zw. Rebellen und Polizei
- Junge moslemische Rebellen greifen Kontrollposten an
- Region seit Jahresbeginn von Gewalttaten erschüttert
Bei schweren Gefechten zwischen moslemischen Aufständischen und Sicherheitskräften sind im Süden Thailands am Mittwoch mehr als hundert Menschen getötet worden. Das teilte die thailändische Polizei mit. Unter den Toten seien auch fünf Soldaten, mindestens 16 Polizisten und Soldaten seien verletzt worden. Beim Sturm auf eine Moschee in Pattani wurden nach Militärangaben mindestens 32 Menschen getötet. Die im Bau befindliche Moschee gilt als Hochburg radikaler Separatisten.
Nach Berichten hatten die Aufständischen nahezu zeitgleich zehn Polizeikontrollpunkte, Militärstützpunkte und andere staatliche Einrichtungen in den Südprovinzen Pattani, Yala und Songkhla angriffen. Die Südprovinzen an der Grenze zu Malaysia haben eine islamische Bevölkerungsmehrheit in dem überwiegend buddhistischen Königreich. Ihre Wurzeln hat die gegenwärtige Rebellenbewegung in der Beteiligung thailändischer Moslems am Afghanistan-Krieg (1979-89). Nach ihrer Rückkehr gründeten sie die islamistische Bewegung Mujaheddin Pattani. Nach amtlichen Angaben sind 4,6 Prozent der über 60 Millionen Einwohner Thailands moslemischen Glaubens.
Regierungsvertreter sagten, moslemische Jugendliche hätten mit Macheten, Messern und Handfeuerwaffen Polizei- und Armeeposten in der Region angegriffen. Die Armee nannte eine Zahl von 107 getöteten Angreifern und fünf gefallenen Soldaten. Das Fernsehen zeigte Bilder von einem in Brand gesteckten Polizeiposten. Zudem waren brennende Motorräder und die Leichen zweier Rebellen zu sehen.
Ministerpräsident Thaksin Shinawatra warf den Angreifern vor, aus kriminellen Motiven zu handeln und kündigte an, die "Banden" zu zerschlagen. Beobachter verweisen jedoch darauf, dass die groß angelegten und koordinierten Angriffe offenbar nicht nur auf kriminelle Motive zurückzuführen sind.
Nach Einschätzung des deutschen Außenministeriums besteht für Thailand wie für ganz Südostasien eine "erhöhte Gefahr terroristischer Attentate". Vor allem die Thai-Provinzen Narathiwat, Pattani, Yala, Songhkla und Satun sind demnach gefährlich. In Narathiwat, Yala und Pattani sei bereits vor einiger Zeit das Kriegsrecht verhängt worden. Für den gesamten Süden des Landes - einschließlich der Insel Phuket - bestehe eine "erhöhte Gefährdungslage".
(APA/red)
