Dienstag, 27. April 2004

Schwerste Kämpfe seit Kriegsende im Irak: Blair verteidigt Aktion der Amerikaner!

  • "Wenn amerikanische Soldaten beschossen werden, dann müssen amerikanische Soldaten zurückschießen"

Der britische Premierminister Tony Blair hat die Bombardierung der irakischen Sunnitenhochburg Falluja durch US-Kampfflugzeuge verteidigt. Nch ihren Angriffen in der Nacht haben die Amerikaner ihre Bombardements im laufe des tages fortgesetzt. In der Nacht auf Mittwoch wurden zwei Stellungen von Aufständischen in der westirakischen Stadt Falluja angegriffen. Schiitenführer Al Sadr rief daraufhin seine Anhänger zu Selbstmordanschlägen auf.

Blair rechtfertigte die Aktion der Amerikaner mit den Worten: "Es ist richtig, dass die amerikanischen Streitkräfte versuchen, sicherzustellen, dass die Ordnung in dieser Stadt wiederhergestellt wird", sagte er am Mittwoch im Parlament in London. "Wenn amerikanische Soldaten beschossen werden, dann müssen amerikanische Soldaten zurückschießen."

US-Kampfflugzeuge haben am Mittwoch erneut einen Randbezirk in der Aufständischen-Hochburg Falluja bombardiert. F-16-Maschinen beschossen am Nachmittag zwei Mal das Viertel, in dem sich viele Aufständische verschanzt halten, anschließend sei Gewehrfeuer zu hören gewesen. Amerikanische Panzer hätten zudem auf das Viertel gefeuert.

Bereits in Nacht zum Mittwoch hatten US-Flugzeuge und Kampfhubschrauber vermutete Rebellenstellungen im Randbezirk Golan massiv bombardiert. Die Aufständischen erlitten dem Anschein nach aber keine nennenswerten Verluste, weil sie sich schon vor den Angriffen aus ihren Stellungen zurückgezogen hatten. Bei den nächtlichen Angriffen waren zehn Häuser zerstört worden.

In der Stadt Chalidija, auf halbem Wege zwischen Falluja und dem westlichen Ramadi gelegen, explodierte nach Angaben des arabischen Fernsehsenders El Arabija am Mittwoch eine Autobombe. Dabei wurden fünf Menschen getötet und zwei weitere verletzt.

Rebellen zuvor zur Kapitulation aufgerufen
Am Nachmittag hatte die US-Armee Flugzettel über der Stadt abgeworfen, in denen die Rebellen zur Kapitulation aufgerufen wurden. "Gebt auf, ihr seid umzingelt", hieß es auf den Flugzetteln. "Wenn du ein Terrorist bist, dann pass auf, denn dein letzter Tag war gestern." US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld warf den Aufständischen vor, unter klarer Verletzung der Genfer Konventionen US-Soldaten aus Moscheen heraus anzugreifen. Es gebe nur die Möglichkeit, sie mit Gewalt oder Verhandlungen aus der Stadt zu vertreiben.

Bei Kämpfen mit bewaffneten Schiiten in Bagdad wurde am Dienstag nach Militärangaben ein amerikanischer Soldat getötet. Damit stieg die Zahl der seit Monatsbeginn getöteten US-Soldaten auf 115.

Najaf: Schiitenführer ruft zu Selbstmordanschlägen auf
Der irakische Schiitenprediger Muktada al Sadr hat erneut mit Selbstmordanschlägen gedroht. Er werde Selbstmordattentäter für Angriffe auf die ausländischen Besatzungstruppen einsetzen, bekräftigte der von den USA gesuchte Schiitenführer am Mittwoch. Er hält sich versteckt, wendet sich aber von Zeit zu Zeit an die Medien. Den US-Truppen warf er vor, bei den heftigen Kämpfen der vergangenen Tage nahe Najaf "unschuldige Zivilisten" getötet zu haben. Dies bestärke seine Anhänger in ihrer Entschlossenheit, die heiligen Stätte der Schiiten zu verteidigen.

Spanien zieht Truppen bis 27. Mai ab
Der Abzug der spanischen Truppen aus dem Irak wurde nach nur zehn Tagen abgeschlossen, wie Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero am Dienstag in Madrid mitteilte. Spätestens am 27. Mai werden auch die weiterhin im Irak stationierten spanischen Logistikeinheiten abgezogen sein. Er begründete den raschen Abzug damit, dass der Irak-Krieg völkerrechtswidrig gewesen sei. Der bulgarische Präsident Georgi Parwanow forderte indes eine "rasche und effiziente" Einbindung der UNO im Irak, die auch arabischen Staaten ein Engagement im Land ermöglichen würde. Außerdem müssten die USA ihre Truppen verstärken.

Italien fordert UN-Mandat für seine Truppen
Italien macht eine neue UNO-Resolution zum Irak zur Voraussetzung für eine andauernde Präsenz seiner Besatzungstruppen. Der italienische Vizeministerpräsident Gianfranco Fini sagte am Dienstag nach einem Treffen mit US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Washington, er habe "das Bedürfnis der italienischen Regierung bekräftigt, seine Truppen im Irak zu halten, aber im Rahmen einer neuen UNO-Resolution".

Spanien, das am Dienstag den Abzug seiner Soldaten aus dem Irak für abgeschlossen erklärte, hatte ursprünglich ebenfalls ein UNO-Mandat für seine Truppen gefordert. Auf die Frage, wie Rumsfeld und US-Vizepräsident Dick Cheney sein Ansinnen aufgenommen hätten, sagte Fini, das Weiße Haus müsse "einige Risse kitten", die sich im Verhältnis zu Europa aufgetan hätten. Näher wollte er sich nicht äußern.
(apa/red)

27.4.2004 20:58