Dienstag, 27. April 2004

Terror-Angriff in Damaskus: Explosionen und Schießereien in Syriens Hauptstadt!

  • Zwei Terroristen, ein Polizist und eine Passantin tot
  • Militante Inslamisten hinter Anschlag vermutet

Bei einem Feuergefecht nach einem missglückten Autobombenanschlag sind in der syrischen Hauptstadt Damaskus vier Menschen getötet worden. Nach Angaben aus dem syrischen Innenministerium explodierte am Dienstagabend in einem Diplomatenviertel eine Autobombe vor einem leer stehenden UNO-Gebäude. Anschließend lieferte sich die Polizei mit vier schwer bewaffnete Männern ein einstündiges Feuergefecht.

Dabei seien zwei der mutmaßlichen Terroristen, ein Polizeibeamter sowie eine Passantin ums Leben gekommen. Die Hintergründe der Zwischenfälle liegen im Dunkeln.

Die syrischen Behörden vermuten militante Islamisten hinter dem Anschlag. Der Chefredakteur der amtlichen Zeitung "Al Baath", Mahdi Dahlalla, sagte, er sei vermutlich in einer Reihe mit anderen Anschlägen in arabischen Staaten - etwa in Saudiarabien - zu sehen. Verantwortlich für den Zwischenfall sei die Atmosphäre von Chaos und Instabilität in der Region, hieß es in Damaskus. Syrien werde sich weiter jeder terroristischen Aktion entgegenstellen, die darauf abziele, Stabilität und Sicherheit zu erschüttern und Anarchie zu verbreiten. Im Libanon verurteilten Staatspräsident Emile Lahoud und Ministerpräsident Rafik Hariri den Anschlag scharf.

Die erste Explosion ereignete sich nach Angaben von Augenzeugen zwischen 19.00 und 19.30 Uhr Ortszeit. Nach Angaben der Sicherheitskräfte warfen die Angreifer auch Handgranaten auf die Polizisten. Ein in Damaskus lebender US-Amerikaner berichtete in einer E-Mail an den britschen Sender BBC von mindestens einem Dutzend Explosionen. Die beiden überlebenden mutmaßlichen Terroristen seien verletzt festgenommen worden. Die Ermittlungen dauerten an. Nach syrischen Medienberichten hoben die Sicherheitskräfte in Khan al Shih, rund 30 Kilometer südwestlich von Damaskus, ein Waffenversteck aus, das sie der mutmaßlichen Terrorgruppe zuordneten. Das Fernsehen zeigte zahlreiche Waffen sowie zwei vermutlich mit einem unbekannten Sprengstoff gefüllte Säcke.

Nach der Explosion brannte das UNO-Gebäude aus. Die Büros der Vereinten Nationen und die US-Botschaft blieben am Mittwoch aus Sicherheitsgründen geschlossen, hieß es. Diplomaten kamen bei dem Angriff nahe den Botschaften Kanadas, des Iran und der Residenz des britischen Botschafters nicht zu Schaden. UNO-Vertreter in New York sagten dem in London erscheinenden "Guardian", das verwüstete Gebäude sei von den Vereinten Nationen bereits vor Jahren verlassen worden.

Zuletzt hatte es im März im Norden Syriens gewaltsame Zusammenstöße zwischen Kurden und Arabern gegeben, bei denen mindestens 14 Menschen getötet wurden. Zusammenstöße zwischen islamischen Fundamentalisten und dem laizistischen Baath-Regime liegen mehr als 20 Jahre zurück. 1982 schlugen Sicherheitskräfte einen Aufstand der Moslembrüder nieder und zerstörten große Teile der Stadt Hama.
(apa/red)

27.4.2004 20:35