US-Streitkräfte nehmen heilige Stadt der Schiiten ein: 64 Tote in Najaf
- US-Truppen wollen auch gegen Moscheen vorgehen
- Beginn gemeinsamer Patrouillen in Falluja verschoben
Im Kampf gegen radikale Schiiten im Irak wollen US-Truppen auch nicht vor Moscheen und Schulen Halt machen. Bei Kämpfen nahe der Stadt Najaf wurden nach amerikanischen Angaben vom Dienstag 64 Aufständische getötet.
US-Zivilverwalter Paul Bremer warf den Kämpfern des Schiitenführers Muktada el Sadr vor, in Moscheen, Schreinen und Schulen Waffen für ihren Aufstand zu lagern. "Die Koalition wird diese Situation sicherlich nicht dulden", sagte Bremer in Bagdad. Sein Sprecher Dan Senor erklärte, dass religiöse Stätten nicht von der Genfer Konvention geschützt seien, wenn als Waffenlager missbraucht würden.
Bei den Kämpfen am Ostufer des Euphrats, gegenüber von Najaf und Kufa wurden nach Angaben von Brigadegeneral Mark Kimmitt 64 Kämpfer der von El Sadr geführten Miliz El Mahdi getötet. In einem vor allem von Armen bewohnten Stadtteil von Najaf wurde nach US-Angaben ein Minarett von einem Panzer zerstört.
Amerikanische Marineinfanteristen zeigten Fotos der Moschee vor und nach dem Beschuss. Nach Darstellung der US-Truppen wurden sie von dem Turm aus beschossen. Ein Kommando von 200 US-Soldaten setzte sich in der Nacht zum Dienstag in einem Stützpunkt fest, der bisher von spanischen Truppen gehalten wurde und nun von diesen geräumt wird. Der Stützpunkt liegt etwa sechs Kilometer von schiitischen Schreinen entfernt.
Indes ist der für Dienstag geplante Beginn der gemeinsamen Patrouillen von US-Soldaten und irakischen Sicherheitskräften in der Widerstandshochburg Falluja verschoben worden. Wie ein an der Ostzufahrt der Stadt postierter US-Offizier mitteilte, müssen zuvor noch weitere gemeinsame Trainingseinheiten absolviert werden. Wann die Streifzüge beginnen könnten, ließ er offen. Die gemeinsamen Patrouillen waren Teil eines Abkommens, das die US-Armee mit örtlichen Würdenträgern geschlossen hatte, um die Kämpfe in der sunnitischen Widerstandshochburg westlich von Bagdad einzudämmen und die Lage zu entspannen. Die vereinbarte Waffenruhe war in den vergangenen Wochen immer wieder gebrochen worden.
(APA/red)
