Gaddafi reist zu erstem Europa-Besuch seit 15 Jahren nach Brüssel
- Normalisierung der Beziehungen angestrebt
- Gaddafi kampiert in Brüssel im Garten
EU-Kommissionspräsident Prodi hat am Dienstag den libyschen Revolutionsführer Gaddafi in Brüssel empfangen. Gaddafi unternahm seine erste Europareise seit 15 Jahren. Entgegen den üblichen Regeln des Protokolls holte Prodi seinen Gast am Dienstag persönlich mit einer langen Wagenkolonne vom Brüsseler Flughafen ab.
Gaddafi will sich im Besonderen für eine Aufnahme seines Landes in das Mittelmeer-Kooperationsprogramm der EU einsetzen. Ungeachtet des betont herzlichen Empfangs für Gaddafi hat die Kommission die Aufnahme Libyens in den so genannten Barcelona-Prozess der Euromediterranen Partnerschaft von einer Lösung unter anderem der Entschädigungsverhandlungen wegen des Anschlags auf die Berliner Diskothek La Belle abhängig gemacht.
Die Polizei hielt vor dem Kommissionsgebäude Anhänger und Gegner Gaddafis auseinender. Während 200 Menschen Gaddafi mit Freudengesängen begrüßten, riefen 50 Exil-Libyer: "Gaddafi, Terrorist". "Gaddafi ist ein Wolf im Schafspelz", hieß es auf einem Transparent.
Gaddafi sollte in Brüssel in einem Beduinen-Zelt übernachten. Das Zelt im Garten einer Residenz der belgischen Regierung, des Schlosses Va Duchesse, wurde auch mit einer Satellitenantenne ausgestattet. Gaddafi sollte auch den belgischen Regierungschef Guy Verhofstadt treffen. Für seinen Schutz sorgt unter anderem seine eingeflogene weibliche Leibgarde, die durch leuchtend blaue Kampfanzüge auffällt.
Bei dem Anschlag auf die bei US-Soldaten beliebte Berliner Diskothek La Belle waren 1986 drei Menschen getötet und über 200 verletzt worden. Ein Berliner Gericht hatte 2001 den Geheimdienst Libyens als Urheber bezeichnet.
(apa)
