Montag, 26. April 2004

Nach Zug-Unglück in Nordkorea: Hilfe erreicht langsam die Opfer

  • Rotes Kreuz aber "sehr besorgt" über Bedingungen
  • Krankenhäuser in schlechtem Zustand

Die Opfer der verheerenden Zugskatastrophe in Nordkorea sind nach Rot-Kreuz-Berichten in den vergangenen Tagen notdürftig mit Hilfsgütern versorgt worden. Die Hilfsorganisation widersprach damit Berichten, dass die rund 370 schwer verletzten Opfer ihrem Schicksal überlassen wurden. Allerdings sei das Rote Kreuz "sehr besorgt" über die Bedingungen in den rückständigen Krankenhäusern, hieß es.

"Die Einrichtungen sind nicht so, wie man es sich wünschen würde." Von angemessener Behandlung mochte Rotkreuzsprecher John Sparrow nicht sprechen. Ärzte und Schwestern täten aber, was sie könnten. Die Kooperation mit Nordkoreas Behörden funktioniere gut, sagte er. In den sechs Krankenhäusern der Region seien Antibiotika, Betäubungsmittel und Verbandsstoffe eingetroffen.

Besorgt äußerte sich Sparrow darüber, dass die Hilfsgüter aus Beständen für reguläre Programme genommen werden, auf die wiederum andere Krankenhäuser im Land angewiesen sind. Hier müsse bald für Nachschub gesorgt werden.

Zwei Mitarbeiterinnen der Deutschen Welthungerhilfe berichteten unterdessen, dass viele Häuser in dem Unglücksort Ryongchon einzustürzen drohen. Zu den rund 10.000 Obdachlosen in der Stadt könnten leichte weitere hinzukommen.

Südkorea schickte am Mittwoch das erste Schiff mit Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern für die Opfer in Ryongchon. Das Schiff sei mit 100.000 Packungen Fertignudeln, Mineralwasser, Decken, Kleidung und medizinischem Material beladen, sagte ein Sprecher des Rotkreuzverbandes in Seoul. Prinzipiell sei das Land auch zur Wiederaufbauhilfe bereit, sagte Vereinigungsminister Jeong Se Hyun.

(apa)

26.4.2004 07:59