Mittwoch, 28. April 2004

Nach der Präsidentenwahl-Pleite mahnt Schüssel: "Wir müssen alle besser werden"

  • Aussprache im VP-Vorstand: Wähler zuwenig mobilisiert
  • EU-Wahl: Stenzel erneut als Spitzenkandidatin nominiert

Harte Worte und massive Kritik sorgte innerhalb der ÖVP nach der verlorenen Bundespräsidenten-Wahl für massive Unruhe. Bundeskanzler Schüssel versuchte die Wogen zu glätten, lobte Außenministerin Ferrero-Waldner und glaubt weiter, dass Haiders Wahlempfehlung der VP-Kandidatin nicht geschadet habe. Nach dem ÖVP-Vorstand mahnte er: "Wir müssen alle besser werden." Grund für die Niederlage gegen Fischer wären die geringe Wahlbeteiligung, die Weißwähler. Die ÖVP habe ihre Wähler zu wenig mobilisiert. Die Devise heißt jetzt: Volle Kraft voraus für die nächsten Wahlen. Für die EU-Wahl am 13. Juni wurde erneut Ursula Stenzel (58) als Spitzenkandidatin nominiert.

Für ÖVP-Chef Schüssel (V) zeigte sich am Mittwoch nach dem ÖVP-Vorstand bemüht, die Debatte über die Wahlniederlage Ferrero-Waldners zu beenden. Schuldzuweisungen an einzelne Bundesländer oder Funktionäre wurden vom Bundeskanzler vermieden: "Die ÖVP hat gezeigt, dass sie nach innen stark ist, offen und ehrlich alles anspricht und fähig ist, den Wahlsonntag zu verarbeiten".

Schüssel versuchte einmal mehr die positive Seite der Präsidentschafts-Wahl darzustellen. Ferrero-Waldner sei "von allen" im Vorstand "großes Lob", "Anerkennung" und "ungebrochener Respekt" gezollt worden. Er wolle die Niederlage "nicht schön reden", aber immerhin habe die Außenministerin bei den Frauen, den Jungen, in vier Bundesländern und in einigen Städten die Mehrheit bekommen. Das sei "ein ermutigendes Signal", sagte Schüssel. Auf diesem Weg gelte es weiterzugehen. Für den Kanzler ist nun "alles ausgeredet", im Vorstand habe man bereits die "Weichen" für die Europawahl am 13. Juni gestellt.

Die von einigen Parteikollegen kritisierte Unterstützung durch die FPÖ, die nach deren Ansicht kontraproduktiv gewesen sei, wies Schüssel neuerlich zurück. Er sehe keinen Grund, "irgendeine Unterstützung" zurückzuweisen. Leider habe es von Seiten der Grünen und der SPÖ zu wenig Unterstützung gegeben.

Was er zur Kritik einiger niederösterreichischer VP-Funktionäre sage, wurde Schüssel gefragt. "Ich habe ihnen die Diskussion ausführlich geschildert." Als Gründe für die Wahlniederlage nannte er zunächst die geringe Wahlbeteiligung und die hohe Zahl an Unbeteiligten. Aber auch das Mobilisierungsthema sei aufgegriffen worden. Daher werde man für die EU-Wahl alles unternehmen, um die Anhänger zu "motivieren".

(apa/red)

28.4.2004 13:45


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