Dienstag, 27. April 2004

Harte Worte nach Präsidenten-Wahl: Interne Kritik sorgt für Unruhe in der ÖVP

  • Vor allem NÖ-Politiker machten ihrem Ärger Luft!

Interne Kritik sorgte für Unruhe in der ÖVP: Vor allem NÖ-Politiker machten ihrem Ärger über die Niederlage Ferrero-Waldners bei der BP-Wahl Luft. Manöverkritik war deshalb das Hauptthema der ÖVP-Vorstandssitzung am Mittwoch.

Niederösterreichs Landeshauptmann Pröll, der die ÖVP-Vorstandssitzung am Mittwoch knapp nach Mittag verließ, erklärte, dass der Kärntner Landeshauptmann bei der Debatte über die Ursachen der Wahlniederlage "überhaupt keine Rolle gespielt hat". Die Partei habe sich wie eine "ordentliche Familie" verhalten und "ordentlich diskutiert".

Bereits vor Beginn der Vorstandssitzung hielt sich Pröll am Mittwoch mit Kritik an der Bundespartei zurück. Er habe Dienstag Abend mit Wolfgang Schüssel ein mehrstündiges Gespräch geführt, wo man eine klare Analyse vorgenommen habe. Für kritische Bemerkungen - u.a. seiner Landespartei - zum Ausgang der Bundespräsidentenwahl zeigte Pröll dennoch Verständnis.

Pröll und Schüssel klärten Strategie ab
Jede Partei sei gut beraten, einen "Wahltag nicht ohne Wenn und Aber vorbeigehen zu lassen", sagte Pröll. Bei der Frage nach etwaigen Konsequenzen meinte er nur, das werde man mit "Sicherheit" nicht in der Öffentlichkeit diskutieren. Bei seinem gestrigen Gespräch mit Schüssel habe man die weitere Strategie besprochen. Zusatz: Aber auch diese werde er naturgemäß nicht vor Medien bekannt geben.

Der Tiroler Landeshauptmann Herwig Van Staa erklärte vor Beginn der Sitzung gegenüber Journalisten, er sehe in dem Ergebnis "überhaupt keine Watschen" für die schwarz-blaue Regierung. Innenminister Ernst Strasser erklärte, angesprochen auf die FPÖ-Wahlempfehlung für Ferrero-Waldner und dass er dabei anderer Meinung als Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sei: "Man darf doch bei einer Analyse unterschiedlicher Meinung sein."

Keine Kritik von Klasnic und Van Staa
Zurückhaltend äußerten sich in diesem Zusammenhang neben Van Staa auch die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic und ÖAAB-Generalsekretär Werner Amon. Van Staa meinte, er nehme jede Wahlempfehlung und jede Unterstützung zur Kenntnis, "das heißt nicht, dass ich mit der Politik des Empfehlers übereinstimme". In Kärnten habe die Unterstützung aber "sicher genützt".

Personelle Konsequenzen wurden von allen Befragten ausgeschlossen. Van Staa erklärte: "Wir haben einen hervorragenden Generalsekretär und einen hervorragenden Bundesparteiobmann". Klasnic meinte auf die Frage, ob man nicht noch mehr für Ferrero-Waldner hätte laufen müssen, man könne immer alles besser machen. "Es war zu wenig." (apa/red)

27.4.2004 20:31