Mittwoch, 21. April 2004

So werden Sie Ihr eigener Boss! Tipps: Der schnellste Weg in die Selbständigkeit!

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Über ein Drittel der neu gegründeten Unternehmen ist in weiblicher Hand. So schaffen Sie es erfolgreich in die Selbständigkeit....

Der zündende Funke sprang bei Ruth Biber vor sechs Jahren über: Bis zu diesem Zeitpunkt war die diplomierte Krankenschwester als Vollzeitassistentin in einer orthopädischen Praxis angestellt. "Ich hatte jeden Tag mit Menschen zu tun, die unter jobbedingten Rückenschmerzen litten", sagt die 40-Jährige. Bibers Idee war geboren: mit einer mobilen Rückenschule durch Büros zu ziehen und den Menschen vor Ort den Rücken zu stärken. Der weitere Weg war klar: Biber, schon als Kind leistungsorientierte Leichtathletin, absolvierte Ausbildungen zum Fitness- und Wirbelsäulentrainer, reiste von einem Medizinkongress zum nächsten, suchte Steuerberater auf, klapperte Firmen ab, schrieb Seminarkonzepte und Trainingspläne. Unzählige E-Mails jagte sie durch ihren Mailaccount, tage- und nächtelang saß sie an ihrem Notebook, um potenzielle Kunden ausfindig zu machen und für sich zu gewinnen. "Die Akquise war anfangs schon ein harter Part", erinnert sie sich. Aber mittlerweile rennt der Laden: Mit ihrer Firma "JobFit" tingelt sie jetzt höchst erfolgreich durch Büros, Friseur- und Kosmetikstudios, Schulen und Kindergärten. Biber: "Ich muss mich kaum mehr um Kontakte kümmern. Die meisten ergeben sich von selbst."

Gründungsboom
Immer mehr Frauen entdecken die Vorteile der Selbständigkeit für sich. Über ein Drittel der Unternehmer in Österreich ist mittlerweile weiblich, Tendenz steigend: Von den rund 25.000 neu gegründeten Unternehmen im Jahr 2003 sind 37 Prozent in weiblicher Hand. Zum Vergleich: 1998 lag der Frauenanteil noch bei 28 Prozent. "Selbständigkeit ist für Frauen eine Chance, da sie selbstbestimmt sind und ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten können", sagt Elisabeth Zehetner vom Unternehmerinnen-Netzwerk "Frau in der Wirtschaft". "Allerdings fehlt ihnen wegen Verpflichtungen in der Kinderbetreuung oft die Zeit für ihr Unternehmen." Das Babysitter-Sharing von Frau in der Wirtschaft bietet deshalb eine Online-Kontaktbörse für die Kinderbetreuung, "die Betriebshilfe' stellt Unternehmerinnen während des Mutterschutzes kostenlos eine Ersatzarbeitskraft zur Verfügung", so Zehetner.

Geschäftsidee
Eine clevere Idee, wie JobFit-Gründerin Ruth Biber sie hatte, ist der Grundstein, um ein Unternehmen erfolgreich aufzubauen. "Der Idealfall ist natürlich, eine Marktlücke zu finden", sagt Karin Gattermann vom Gründerservice der Wirtschaftskammer Wien. "Aber in der Realität ist das eher eine Seltenheit."

Wer die nötige Kompetenz und Branchenerfahrung mitbringt, sollte sich entscheiden, ob er sich spezialisieren oder sein Angebot breit fächern will. Und, so Gattermann: "Wer ein Unternehmen gründet, muss selbständig arbeiten können und das auch wollen." Außerdem: "Der zeitliche Aufwand wird in den meisten Fällen zumindest in den ersten ein bis drei Jahren größer sein als bei einem Angestelltenverhältnis."

Gattermanns Rat: "Führen Sie rechtzeitig ein Beratungsgespräch, erkundigen Sie sich nach möglichen Förderungen." Und erstellen Sie vorab einen Businessplan, in dem Sie die Geschäftsidee, die Ziele und den Budgetplan schwarz auf weiß festhalten: "Das ist gefragt, wenn Sie bei Banken um einen Kredit ansuchen und wenn Sie Ihre Geschäftsidee von Profis einschätzen lassen." Der Businessplan hilft außerdem, sich die Stärken und Schwächen des Konzepts immer wieder vor Augen zu führen, um gegebenenfalls etwas zu ändern.

Nicht nur das Gründerservice der Wirtschaftskammer, auch das Arbeitsministerium, das AMS, eigene Gründungszentren von Banken sowie Rechtsanwälte und Notare beraten angehende Unternehmer. Beim Wifi Wien finden zwei- bis dreimal wöchentlich spezielle Gründungsworkshops statt, danach können weiterführende Kurse für Jungunternehmer besucht werden.

Standortfrage
Ob das Unternehmen im eigenen Wohnzimmer angesiedelt werden kann oder ob ein Büro her muss, hängt davon ab, was angeboten wird. "Wenn Sie z. B. als Unternehmensberaterin ohne Angestellte tätig werden, reicht vielleicht ein Notebook aus, um Ihr Business zu betreiben", sagt Zehetner. Andernfalls kann die Wahl des richtigen Standortes mitunter darüber entscheiden, ob Ihr Biz zur Goldgrube wird oder Pleite geht. Eine Internetagentur kann vielleicht am Stadtrand angesiedelt sein, für ein In-Lokal wiederum wäre das unter Umständen der Ruin. Hinweis: Das "Service Center Geschäftslokale" vermittelt Räumlichkeiten für neue Unternehmen, bietet aber auch eine groß angelegte Börse zur Unternehmensnachfolge an.

Kostenfrage
Was die eigentliche Unternehmensgründung tatsächlich kostet, "hängt unter anderem von der Rechtsform, der Branche, dem Standort und der geplanten Betriebsgröße ab", sagt Gründungsexpertin Gattermann. Personen, die zum ersten Mal selbständig tätig werden, sind mit dem Neugründungsförderungsgesetz von den anfallenden Stempel- und Verwaltungsgebühren befreit.

Christine Hapala, Steuerberaterin und Gründungsexpertin: "Ich empfehle, zum errechneten Kapital nochmals 50 Prozent zur Seite zu legen. Das bewahrt vor unangenehmen Überraschungen." Ein heißer Tipp zur Finanzierung ist der "Gründungsbonus" der Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS): Wer als angehender Jungunternehmer rechtzeitig zu sparen beginnt, kann sich über bis zu 7.700 Euro zusätzlich zu den angesparten Eigenmitteln freuen.

Wenn Sie Ihre Idee gut durchdacht und alle Möglichkeiten ausgelotet haben, werden Sie vielleicht schon bald sehen: Ein Unternehmen zu gründen ist leichter als gedacht. Frau muss sich einfach trauen!

21.4.2004 11:38