Montag, 19. April 2004

Handy-Gespräche werden im Sommer erstmals Festnetz überflügeln

  • Telefon-Kunden sehen keinen Unterschied mehr
  • Telekom Austria verlangt Ende der Preisregulierung

Die Telekom Austria (TA) erwartet, dass bereits im heurigen Sommer in Österreich mehr Telefongespräche im Mobilfunk als im Festnetz geführt werden. Vor dem Hintergrund dieser in der EU "einzigartigen" Situation forderte TA-Vorstand Rudolf Fischer bei der EU-Kommission ein Ende der Preisregulierung auf dem Endkundenmarkt. Die EU-Kommission müsse dieser neuen Situation Rechnung tragen und dürfe "nicht jedes Land über einen Kamm scheren", verlangte Fischer in einer anschließenden Pressekonferenz in Brüssel.

Die in Österreich mit dem Telekom-Gesetz bereits umgesetzte EU-Rahmenrichtlinien müssten in Zukunft "mehr Flexibilität für die nationalen Regulierungsbehörden" ermöglichen, sagte der TA-Vorstand. Derzeit entspreche der Anteil von Gesprächsminuten zwischen Mobil- und Festnetz in Österreich "fast 50 zu 50". Vor allem in Folge der "Preisschlacht" alternativer Mobilfunkanbieter sei das Volumen im Festnetz 2003 um rund sieben Prozent zurückgegangen.

Kein Unterschied zwischen Handy und Festnetz
"Die Telefon-Kunden in Österreich unterscheiden nicht mehr zwischen Handy und Festnetz. Sie wählen ausschließlich die für sie günstigsten Zugänge", so der TA-Vorstand. "Hier findet wirklich ein Verdrängungswettbewerb statt." Im EU-weiten Durchschnitt wird nach Angaben der Telekom Austria das Festnetz noch etwa drei Mal so häufig genutzt wie das Handy, in Deutschland sogar rund sechs Mal so oft.

Eine flexible Preisgestaltung für gebündelte Produkte und Tarifpakete verlangt die Telekom Austria auch vor dem Hintergrund geplanter Investitionen in neue Breitband-Netze, die Sprachkommunikation, Daten und Multimedia zusammenführen soll.

Diesbezüglich hätten Kabelnetzbetreiber, die vor allem in den umkämpften Ballungszentren dominieren, einen Vorteil, da sie in der Gestaltung der Endkundenangebote keiner Regulierung unterliegen würden, argumentiert das Unternehmen. Hier dürfe es keine Ungleichbehandlung unterschiedlicher Technologien geben. (apa/red)

19.4.2004 14:46