Fischers Pläne fürs Präsidentenamt: "Ich will ein aktives Staatsoberhaupt sein!"
- "Mische mich nicht in die aktuelle Tagespolitik ein"
- Erster Termin bei Klestil: Dienstag 9 Uhr

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Fischer, Ferrero & Co an den Wahlurnen
Wie wird der Bundespräsident sein Amt führen? Heinz Fischer stellt klar: "Ich will ein aktives Staatsoberhaupt sein." Aber er versprach den Österreichern auch: "Ich werde mich nicht in die aktuelle Tagespolitik einmischen." Der erste Besuch beim amtierenden Bundespräsidenten Klestil ist für Dienstag 9 Uhr geplant - gleichzeitig ein erster Lokalaugenschein an Fischers neuem Arbeitsplatz.
Heinz Fischer gab noch am Wahlabend zu verstehen, dass er ein aktiver Präsident sein wolle, der seine Meinung zu wichtigen Themen auch kundtun werde. "Gleich am ersten Amtstag" wolle er aber karitative Organisationen besuchen. Heinz Fischer sieht die Aufgabe als Staatsoberhaupt nicht darin, "jede Sitzung des Ministerrats zu kommentieren". Es sei aber auch nicht seine Absicht, "mich auf Eröffnungsreden" von Messen zu beschränken, so Fischer in der "ZIB 2 Spezial" des ORF Sonntag abend.
Wohin ihn seine erste Auslandsreise führen werde, könne er noch nicht sagen, so Fischer. Er habe natürlich Überlegungen angestellt, könne aber nicht einen Besuch in einem bestimmten Land annoncieren, bevor er eine Einladung erhalten habe - er rechne nun mit "mehreren oder sogar vielen" Einladungen. Es werde jedenfalls ein europäisches Land sein, mit dem Österreich sehr gute Beziehungen habe.
Fischer kündigte zudem neuerlich an, er wolle verstärkt moderne Kommunikationsmethoden einsetzen und das Amt "bürgernah" ausüben. Er wolle auch in die Bundesländer hinausfahren. Dazu könne er sich vorstellen, verstärkt die Bahn zu nutzen, um zu zeigen, dass man es mit den Institutionen des öffentlichen Verkehrs ernst meine.
Vorbereitung aufs Amt
Am Tag nach der Wahl bereitet sich Fischer auf die Amtsübernahme vor. Bundespräsident Klestil hatte ihm bereits am Wahlabend angeboten, ab heute für Gespräche zur Verfügung zu stehen, um eine geregelte Amtsübergabe am 8. Juli zu ermöglichen. Bis dahin wird Heinz Fischer aber weiterhin seine Tätigkeit als Zweiter Nationalratspräsident ausüben. Die Wahlverliererin Benita Ferrero-Waldner bleibt weiter Außenministerin. Die Wählerstromanalyse ergab, dass die SPÖ ihre Wähler stärker mobilisieren konnte, als die ÖVP!
Laut vorläufigem Endergebnis gewann der SP-Kandidat mit 52,41 Prozent der Stimmen, Benita Ferrero-Waldner kommt auf 47,59 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag mit 70,76 Prozent niedriger als beim letzten Urnengang vor sechs Jahren (74,4). "Ich werde diese Aufgabe immer im Interesse aller Österreicher und für alle Österreicher wahrnehmen", sagte der neue Bundespräsident nach dem Wahlsieg. "Das ist meine feste Absicht", betonte Fischer.
Fischer über Mehrheit bei Frauen erfreut
Was die geringe Wahlbeteiligung betrifft, sieht Fischer einen Grund auch darin, dass es nur zwei Kandidaten gegeben habe und zwei Parlamentsparteien keine eigenen Bewerber aufgestellt haben. Aber "meine Freude ist ungetrübt". Es habe ihn auch stark beeindruckt, "dass ich auch bei Frauen die Mehrheit bekommen habe". Er werde sich jetzt anstrengen, den Vertrauensvorschuss zu rechtfertigen.
Erdrutschsieg für Fischer in Wien, Westen für Ferrero
Den Sieg holte sich Fischer in Wien. Dort stimmten nicht weniger als 65,4 Prozent für den SPÖ-Kandidaten. Ebenfalls eine Mehrheit erzielte er im Burgenland (54,8), in der Steiermark (51,2), in Oberösterreich (52,5) und in Niederösterreich (50,5). Ferrero-Waldner war im Westen am Stärksten. In Tirol wollten sie 56,9 Prozent als Präsidentin haben, in Salzburg 54,9 Prozent und in Vorarlberg 54 Prozent. Wohl auch dank der Unterstützung von Landeshauptmann Haider fuhr die Außenministerin dazu noch einen Sieg in Kärnten (52,8) ein.
Mehrheit der Frauen für Fischer
Weiters interessant an der Wählerstromanalyse: Fischer war sogar bei den Frauen (51:49) - wenn auch nur knapp - vorne. Noch deutlicher fiel sein Sieg bei den Männern (56:44) aus. Ferrero konnte vor allem bei den Jungwählern punkten.
(apa/red)
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