Mittwoch, 21. April 2004

Irak: Bei Allahs Kriegern

  • NEWS-Reporterin Petra Ramsauer im Zentrum des Aufstands

Bushs Vietnam: Die Mehdi-Armee des radikalen Schiiten Moktadr Al Sadr wollen die Amerikaner aus dem Land treiben. NEWS-Reportage aus einem Krieg, den George Bush nicht mehr gewinnen kann.

Ob er in den vergangenen Tagen gegen die Amerikaner gekämpft habe? Dieser – entscheidenden – Frage weicht Abu Karra al-Mesidi aus: „Dazu sage ich nichts.“ Er riskiert auch ohne ein „Ja“ sehr viel. Die Kämpfer der schiitischen Al-Mehdi-Armee zeigen sich in der Öffentlichkeit ausschließlich vermummt mit schwarzen Masken. Beim Gespräch mit NEWS im Hauptquartier der Miliz in Bagdad verbirgt der 30-jährige Abu Karra weder sein Gesicht noch seinen vollen Namen. Und auch nicht seine Absichten: „Ich war und bin an dem Aufstand gegen die Besatzung beteiligt. Mein Ziel ist es, den Irak zu befreien. Dafür bin ich bereit, zu kämpfen und zu sterben. Wir sind im Jihad, im Heiligen Krieg.“

Der Aufstand. Für die US-Truppen und ihre Alliierten war es wie ein Schlag ins Gesicht, als diese schiitische Miliz, die Al-Mehdi-Armee, zeitgleich mit der Eskalation im sunnitischen Falluja den Aufstand startete. Sechzig Prozent der Irakis sind Schiiten. Sie schienen bislang die Besatzungsmacht zu tolerieren. Doch im Schatten des gemäßigten Ayatollahs Ali al-Sistani wuchs die Macht des jungen, radikalen Führers Muktada al-Sadr. Er ist der Kopf der Al-Mehdi-Armee. Zehn Prozent der etwa 15 Millionen irakischen Schiiten dürften mit ihm sympathisieren. Als die US-Trup-pen Ende März al-Sadrs Zeitung „al-Hawza“ zusperrten, entfachte dieser eine längst schwelende Revolte. „Terrorisiert die Amerikaner“, predigte al-Sadr. Binnen Stunden schlitterte der Irak in den Bürgerkrieg: Nassirija, Kut, zeitweise sogar die Millionenstadt Basra gerieten unter die Kontrolle der Al-Mehdi-Armee.

Al-Sadr verschanzte sich in Najaf, das von 2.500 US-Soldaten umstellt wurde. Selbst im schiitischen Stadtteil Bagdads, in „Sadr City“, ist die Situation außer Kontrolle geraten: Dreißig Soldaten der Alliierten starben beim Kampf gegen die schwarz maskierten Milizen, darunter acht Amerikaner. „Die Al-Mehdi-Armee muss zerstört werden“, kündigt der Kommandant der US-Truppen in Bagdad, Mark Kimmit, an. Auch ihren Führer Muktada al-Sadr, der wegen Mordes an einem anderen Geistlichen gesucht wird, wollen die Amerikaner fassen – „tot oder lebendig“.

Bei den Aufständischen. Beim NEWS-Lokalaugenschein in Sadr City ist trotz oberflächlicher Ruhe die Anspannung greifbar. Im Rest Bagdads rattern seit dem Beginn der Aufstände Panzerwagen und Jeeps der US-Armee durch die Straßenzüge. Nur hier in den Slums mit zwei Millionen Einwohnern wagen sie keine Patrouillenfahrten.

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PLUS: NEWS spricht mit dem Kommandanten der Mehdi-Armee
PLUS: Zwischen den Fronten: Ali, der Bub aus Falluja

21.4.2004 16:23