Benita Ferrero-Waldner gegen Heinz Fischer: ihr Endspurt im Hofburg-Krimi
- Warum das Hofburg-Duell für Gusenbauer & Schüssel zur persönlichen Schicksalswahl wird.
Gebannt schauen die Auguren schon auf jede vermeintliche Kleinigkeit. Zuletzt sogar auf die Wetterprognose für kommenden Sonntag im Raum Wien. Es soll wärmer als zu Wochenbeginn, aber wechselhaft, teilweise bewölkt, möglicherweise sogar regnerisch werden. Warum diese Sorge?
Es geht am kommenden Sonntag um eine Schicksalswahl für beide Großparteien: Wer den nächsten Bundespräsidenten stellt, hat wohl für die nächsten Monate kräftigen Rückenwind, wer verliert, hat eine Führungsdebatte am Hals. Und deshalb reden jetzt sogar Politstrategen über das Wetter: Herrscht in Wien Ausflugswetter und sinkt dadurch möglicherweise die Wahlbeteiligung in der Bundeshauptstadt überdurchschnittlich, dürfte Heinz Fischer Probleme bekommen: Er braucht in der Bundeshauptstadt nicht nur prozentuell einen klaren Vorsprung, er braucht auch eine hohe Wählerzahl, um in den unsicheren Kantonen wie Kärnten und im Westen mögliche Einbrüche auszugleichen.
Entscheidung im Osten. Die interne SP-Hochrechnung nach Ländern ist relativ klar: Hohe Siege in Wien und im Burgenland als Basis, dazu Niederösterreich halbwegs ausgeglichen halten, was nach den letzten Veranstaltungen möglich erscheint, und in Oberösterreich ebenfalls punkten wofür eine landesweite SP-Umfrage nach der AK-Wahl klare Ansatzpunkte liefert, da Fischer dort sogar mit acht Prozentpunkten Vorsprung führen soll. Im Rest der Bundesländer kleine Überraschungen, jedenfalls aber keine gravierenden Einbrüche.
Dienstagabend war es auch für die ÖVP-Zentrale klar: Benita Ferrero-Waldner kann ihren zu diesem Zeitpunkt auch von parteiinternen Umfragedaten ausgewiesenen knappen Rückstand von doch noch ein bis zwei Prozent der Stimmen bis Sonntag nur mehr aufholen, wenn die Bundesländer Oberösterreich, Niederösterreich sehr gut und die Bundeshauptstadt Wien einigermaßen gut für Wolfgang Schüssels Hofburg-Kandidatin läuft.
Hoffnungen, hüben wie drüben, von denen man frühestens Samstagnacht, wenn die Parteiinstitute die letzten Großumfragen auswerten, wissen wird, ob sie aufgehen können. Prognosen wagen die Demoskopen trotzdem schon jetzt in NEWS (siehe Kasten rechts): Gallup-Chef Fritz Karmasin gibt Heinz Fischer die höhere Sieg-Wahrscheinlichkeit, Wolfgang Bachmayer (OGM) und Werner Beutelmeyer von market rechnen mit einem relativ klaren Vorsprung von Fischer. Nur die Meinungsforscher Peter Ulram (Fessel-GfK) und Günther Ogris (Sora), beide mit Aufträgen der Kandidaten ausgestattet geben sich zugeknöpft: Es wird knapp.
Fischer: keine FP-Anbiederung. Und im Finale wird auch noch die Auseinandersetzung um die Promi-Stimmen aus den blauen und grünen Reihen heftiger: Nach Heinz Fischers Auftritt beim FP-Hearing am Dienstagabend, bei dem Fischer deutlich weniger Konzessionen machte als Ferrero-Waldner, die sich davor etwa freudig zur möglichen Angelobung Haiders als Minister bekannte (Fischer nannte dies völlig unaktuell), könnte nun in der letzten Woche ein Lagerwahlkampf voll entbrennen: Immer mehr Blaue wie etwa Vizekanzler Hubert Gorbach und Haider-Schwester Ursula Haubner deklarieren sich für Ferrero-Waldner.
Der Lagerwahlkampf. Blaue Attacken auf Fischer jedenfalls, die bei der SPÖ eine durchaus erwünschte Wirkung erreichten, wie sich zeigt: Einer, der, so Jörg Haider, seine Ausgrenzungslinie gegen die FPÖ nicht verhehlen kann, hat, auch wenn sich Haider nicht offiziell deklariert, wenig Chancen auf Stimmen aus dem FP-Führungszirkel. Ob die blauen Wähler tatsächlich zur Wahl gehen, sei weiter offen, ebenso ob sie eine Frau tatsächlich wählen.
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