Montag, 19. April 2004

EStAG: Auch amtierender Vorstand schwächt Rechnungshof-Vorwürfe ab

  • Ditz & Co. belasten entlassenen Vorstand nicht

Der interimistische Vorstand der EStAG hat eine Stellungnahme zu den Rechnungshof-Vorwürfen abgegeben. Darin werden in erster Linie jene Punkte angeführt, die bereits verbessert wurden oder an deren Verbesserung gearbeitet wird. Gleichzeitig wird aber auch der entlassene Vorstand weitgehend nicht belastet. So hätte es sehr wohl eine Unternehmensstrategie gegeben und auch gewirtschaftet sei im Prinzip ordentlich worden, heißt es sinngemäß in dem von den Vorständen Pierre Aumont, Johannes Ditz, Peter Schachner-Blazizek unterfertigten Schreiben.

Der amtierende Vorstand stellt fest, dass es auch zwischen 1998 und 2002 sehr wohl strategische Zielsetzungen gegeben habe. Über sie sei es gelungen, die Zahl der Kunden wesentlich zu erhöhen und den steirischen Energiemarkt "fundamental zu Gunsten der jetzigen Steweag-Steg zu verändern". Die Umsetzung diese Maßnahmen sei allerdings im Frühjahr 2003 zum Stillstand gekommen.

Einen Konzern-Controller gebe es mit Beschluss vom Februar 2004, ebenso eine Konzernrevision, verbunden mit einer Zusammenführung mit der bisherigen Revision der SSG. Der Vorstand habe die Businesspläne mit den wichtigen Tochtergesellschaften überarbeitet und werde die Steuerung des Konzerns künftig nicht nur über die Dividendenpolitik, sondern über die Vorgabe operativer Ziele durchführen.

Zu den Änderungen in der Führungsstruktur wird vermerkt, dass der künftige Vorstand der EStAG aus zwei Personen besteht und die beiden Vorstände auch Geschäftsführer in der SSG sind. Die vom RH vorgeschlagene Schaffung eines einheitlichen Unternehmens Profit Centers sei kurz- und mittelfristig durch das Bestehen strategischer Partnerschaften auf Holding- und operativer Ebene "weder sinnvoll noch verwirklichbar".

Kritisiert wird die "wertende Aussage" des Rechnungshofes im Zusammenhang mit der nicht sehr vorteilhaften EdF-Partnerschaft im Hinblick auf die Bezugskosten - diese Einschätzung könne vom Vorstand nicht nachvollzogen werden. Im Zusammenhang mit der Feldbacher Wärmeversorgungs GesmbH wird dem RH ein Rechenfehler vorgehalten: Von der Steweag seien 11 Mio. S als Gesellschafterzuschuss geleistet, nicht 11 Mio. Euro als Kaufpreis entrichtet worden.

Die Abtretung des Kraftwerksparks in mehrheitlich vom Verbund dominierte Gesellschaften wird verteidigt: Je nach Betrachtungsweise habe die SSG in den Jahren 2001 bis 2003 einen wirtschaftlichen Vorteil von 57 bis 123 Mio. lukriert. Zum "Energiepark Donawitz": Der im Rahmen dieses Joint Venture erlittene Gesamtverlust liege mit 23 Mio. Euro deutlich unter den Worst case-Szenarien.

Die Branchen fremden Beteiligungen hätten dem Unternehmen der Analyse der Vorstände nach nicht geschadet. Dennoch sei es nunmehr Strategie, aus bestehenden Beteiligungen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, auszusteigen, hieß es. (apa/red)

19.4.2004 21:14