Ein ganzes Fürstentum träumt: Monaco steht mit einem Bein im CL-Endspiel
- Chelsea glaubt nach Niederlage nicht mehr ans Finale
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Monaco assoziieren Freunde des Sports meist mit Formel 1. Seit spätestens dieser Saison ist aber Monaco auch im Fußball ein internationaler Begriff. Durch das begeisternden 3:1 in Monte Carlo über den FC Chelsea hat die AS Monaco selbst die Fürstenfamilie in Entzücken versetzt und den Londoner Fußball-Geldadel im Halbfinal-Hinspiel der Champions League traurig dreinschauen lassen. "Träumen gehört zur Natur des Menschen. Wir sind nur noch einen Schritt entfernt von unserem Traum", sagte Trainer Didier Deschamps nach dem überraschenden Erfolg.
Im Rückspiel am 5. Mai an der Londoner Stamford Bridge könnte sich der französische Vizemeister, dessen Dress einst auch die beiden ÖFB-Internationalen Ernst Stojaspal und Turl Brinek getragen haben, nun sogar eine Niederlage mit einem Tor Unterschied leisten, um ins Finale am 26. Mai in Gelsenkirchen einzuziehen und um die wertvollste Trophäe des europäischen Fußballs zu spielen.
"Wie die Prinzen" und "Monaco ist magisch!" Diesen Titel wählte die französische Sportzeitung "L'Equipe". Das lokale Blatt "Nice Matin" bezeichnete den sechsten Sieg der Monegassen in dieser CL-Saison als "6. Symphonie". In England gab es dagegen Schimpf und Schande für den Chelsea-Trainer. "Monte Carlo hat viele Zocker ruiniert, und Claudio Ranieri scheint keine Ausnahme zu sein", schrieb der "Independent" und kritisierte verheerende Wechselfehler des Italieners.
Tätlichkeit von Desailly wird untersucht
Dass der "galaktische" Auftritt gegen den neunfachen Meistercup-Rekordsieger Real Madrid im Viertelfinale keine Eintagsfliege war, bewiesen die Rotweißen gegen Chelsea trotz des mehr als zweifelhaften Ausschlusses von Zikos (53.). Der Grieche hatte Makelele zwar einen leichten Klaps an den Kopf versetzte, doch der Legionär fiel erst mit Verzögerung, dafür aber theatralisch. Chelsea-Kapitän Desailly war bei seiner Tätlichkeit kurz zuvor gegen Morientes ungestraft geblieben.
Sowohl der Schweizer Schiedsrichter Urs Meier als auch sein Assistent hatten nichts gesehen. Sehr wohl aber die TV-Kameras. Ein UEFA-Sprecher kündigte an, dass die zuständige Kontroll- und Disziplinar-Kommission sich mit dem Fall befassen und auch das Video studieren werde.
Ungerechter Ausschluss beflügelte Monegassen
Der Ausschluss von Zikos schienen die Hausherren förmlich zu beflügel. Sie reagierten mit wütenden Angriffen auf diese Ungerechtigkeit. Morientes (78.) mit seinem achten Tor im Wettbewerb und Nonda (84.) mit seinem ersten Ballkontakt wenige Sekunden nach seiner Einwechslung sorgten für den verdienten AS-Sieg. Prso (17.) hatte Monaco in der ersten Hälfte in Führung geköpfelt, Crespos Tor (22.) war zu wenig, um die erste Auswärtsniederlage in dieser Europapokal-Saison abzuwenden.
Chelsea ohne Selbstervtrauen
Laut Ranieri sind die Chancen der "Blues", ins Finale einzuziehen, auf 20 Prozent gesunken. Monaco hat in elf CL-Spielen 25 Tore geschossen. "Wir wissen, wie schwer es wird, gegen AS zwei Tore zu erzielen", sagte der Italiener, der taktische Fehlentscheidungen einräumte: "Es war mein Fehler, einen dritten Stürmer zu bringen. Ich nehme die Schuld auf mich."
Der Trainer hat ohnehin nichts mehr zu verlieren. Sein Abschied von der Stamford Bridge und damit vom milliardenschweren russischen Vereinseigner Roman Abramowitsch soll schon beschlossene Sache sein.
Die Monegassen haben den Macho-Klub aber noch keineswegs abgeschrieben. Torhüter Roma streute mahnende Worte in die Euphorie an der Côte d'Azur: "Chelsea wird nicht locker lassen. Wir haben gegen Madrid selbst die Erfahrung gemacht, dass man zwei Tore Rückstand noch aufholen kann", sagte er.
Für die Fußballer aus dem Fürstentum wäre der Einzug ins CL-Finale eine neue Erfahrung. In den Vitrinen des siebenmaligen französischen Meisters befindet sich noch keine internationale Trophäe.
Im Finale des Europacups der Cupsieger waren die Monegassen 1992 an Werder Bremen gescheitert. "In diesem fabelhaften Jahr ist Monaco drauf und dran, eines der schönsten Kapitel des französischen Fußballs zu schreiben", sinniert die Zeitung "Le Parisien" in Erinnerung an den Champions League-Triumph von Olympique Marseille 1993. (apa/red)
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