Mittwoch, 21. April 2004

Zehn Jahre danach: Grand-Prix-Zirkus gedenkt Senna und Ratzenberger

  • Haupttribüne erhält den Namen "Ayrton Senna Tribüne"
  • PLUS: Der aktuelle Stand in der Formel-1-WM

Zehn Jahre nach den tödlichen Unfällen von Roland Ratzenberger (30. April 1994) und Ayrton Senna (1. Mai 1994) stand der Formel-1-Grand-Prix von San Marino in Imola ganz im Zeichen des Gedenkens. Der Salzburger war am schwärzesten Wochenende der F1-Geschichte im Qualifying in der Villeneuve-Kurve verunglückt, 24 Stunden später ereilte den brasilianischen Nationalhelden in der 7. Runde des Rennens in der Tamburello-Kurve das gleiche Schicksal.

Zu Ehren seiner beiden Freunde drehte der Tiroler Gerhard Berger vor dem Rennen, das für längere Zeit das Letzte in Imola sein dürfte, in einem alten Lotus eine Ehrenrunde. Die Gedanken an Ayrton Senna und Roland Ratzenberger sind bei so etwas die dominanten Erinnerungen", beschrieb Berger seine Gefühle nach der Fahrt im Senna-Lotus. Beeindruckend sei freilich auch gewesen, wieder in einem Auto aus den 80er-Jahren zu sitzen. "Mit mehr als tausend PS waren das echte Raketen von Autos. Das macht echt Spaß", so Berger, "denn die Motorleistung war das Bemerkenswerte dieser Zeit."


Zudem wurde mit Ausstellungen, einem Benefiz-Fußballspiel, Gala-Diners, einem Gottesdienst im "Autodromo Enzo e Dino Ferrari" und vielen weiteren kleineren Veranstaltungen an die Verstorbenen erinnert. Fans des dreifachen Weltmeisters Senna (1988,1990,1991) haben in der verhängnisvollen Tamburello ein Spruchband mit der Aufschrift "Ayrton - für immer die Nummer 1" befestigt.

Im Castello Sforzesco nahe Imola wurde eine eigene Senna-Ausstellung eröffnet. Rennwagen, Fotos, Dokumente und viele private Gegenstände aus dem Leben des 41-fachen Grand-Prix-Siegers sind zu sehen. Die Haupttribüne der Rennstrecke erhält den Namen "Ayrton Senna Tribüne", am Samstag wurde im Autodromo ein Gedenk-Gottesdienst für Senna, der im Alter von 34 Jahren verstarb, und Ratzenberger gehalten. Der Salzburger wurde nur 31 Jahre alt.

Der Frühling 1994 hatte die Motorsport-Welt und vor allem Brasilien in einen tiefen Schockzustand versetzt, Staatspräsident Itamar Franco rief drei Tage Staatstrauer aus. Sennas langjähriger Kollege Gerhard Berger brachte die Emotionen danach auf den Punkt: "Wie wenn die Sonne vom Himmel fällt." Der Mythos Senna lebt aber nach wie vor, das Jahr 2004 wurde in Brasilien sogar zum "Senna-Gedenkjahr" auserkoren.

"Senna war perfekt"
"Senna war der einzige Fahrer, den ich respektiert habe", erklärte Sennas französischer Erzrivale Alain Prost, der sich etliche legendäre Duelle mit dem Brasilianer geliefert hatte. "Senna war perfekt. Niemand dachte daran, dass auch ihm etwas passieren könnte", meinte Gerhard Berger über jenen Mann, dessen Rekord von 65 Pole-Positions nach wie vor steht.

Auch in Österreich herrschte tiefe Betroffenheit. Nach Jochen Rindt, Helmut Koinigg, Markus Höttinger und Jo Gartner verlor man einen weiteren Motorsportler. Erst kurz vor Beginn der Saison 1994 zum Simtek-Team gestoßen, war bereits der zweite Grand-Prix der letzte des Salzburgers. "Ein Traum wurde wahr", hatte Ratzenberger noch Anfang März gestrahlt, als er nach vielen Jahren des "Hinaufdienens" einen Platz in der Formel 1 erhalten hatte.

Klien von Senna-Unfall geschockt
Als Senna tödlich verunglückte, war Österreichs nunmehriger Formel-1-Newcomer Christian Klien gerade erst elf Jahre alt. "Als es passiert ist, bin ich daheim vor dem Fernseher gesessen", erinnert sich der Vorarlberger noch genau an den 1. Mai vor zehn Jahren. Auch für Klien war es ein Schock, schließlich war Senna stets sein Idol gewesen. "Er war für mich immer ein großes Vorbild."

Für den 21-Jährigen ist es eine Ehre, nun so wie Senna ebenfalls Formel 1 zu fahren. "Es ist eine tolle Sache, wenn man in der selben Serie wie das große Idol fahren kann", erklärte der Jaguar-Rookie, der Senna sogar einmal persönlich kennen lernte. Im Alter von neun Jahren war Klien mit Vater Johannes zum Hockenheimring gefahren, die beiden Formel-1-Fanatiker mogelten sich dort bis ins Fahrerlager und kreuzten schließlich zufällig Sennas Weg. Ein Autogramm und ein gemeinsames Foto gab es als Erinnerung an dieses Highlight. (apa/red)

21.4.2004 11:42
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