Donnerstag, 22. April 2004

Spannendes Duell: Was in SPÖ und ÖVP nach dem Wahl-Sonntag abgehen kann!

  • Schüssel: Kaum Folgen nach der Hofburg-Wahl
  • Gusenbauer: Die Sein oder Nichtsein-Frage stellt sich

Kommt es nach der Hofburg-Wahl zum Köpferollen in den Großparteien? Der Ausgang des Duells um die Präsidentschaft zwischen ÖVP-Kanidatin Benita Ferrero-Waldner und SPÖ-Kandidat Heinz Fischer könnte sich unangenehm, aber auch positiv auf die Positionen der beiden Parteichefs Wolfgang Schüssel und Alfred Gusenbauer auswirken. Während man bei der Regierungspartei nach dem Wahlsonntag kaum mit gravierenden Folgen rechnet, dürfte es bei den Sozialdemokraten um Sein oder Nichtsein gehen, berichtet das aktuelle NEWS.

Dass die ÖVP die Außenministerin in das Rennen um die Bundespräsidentschaft ins Rennen schickte, war allein Schüssels Wille. Daher trägt der Kanzler auch die Verantwortung. Gewinnt sie, ist Schüssel noch deutlicher als bisher der "Chef". Verliert sie, ist das Ausmaß ausschlaggebend. Liegt Benita Ferrero-Waldner nicht mehr als drei Prozent hinter Fischer, bleibt sie Außenministerin. Lopatka: "So ist das, wenn sie das will." Schüssels Kanzlerpartei geht von einem Wahlsieg Ferreros aus. Auch im Fall einer Niederlage werde es in der ÖVP keinerlei Krisendebatten geben. "Weil es sich absolut um eine Persönlichkeitswahl handelte, die Entscheidung Schüssels, eine Frau ins Rennen zu schicken, war mutig."

Auch eine großflächige Umbildung der VP-Regierungsmannschaft ist bei Schüssel nicht angesagt. Siegt Ferrero, dann will er den Außenminister lediglich nachbesetzen. Geräuschlos. Nach wie vor die Top-Favoriten dafür: Ursula Plassnik, seine frühere Kabinettschefin und derzeit Österreichs Botschafterin in der Schweiz. Oder Außenamts-General Johannes Kyrle, der Enkel des seinerzeitigen SP-Bundespräsidenten Adolf Schärf.

Was tut Ferrero? Verliert Ferrero-Waldner deutlich, strebt sie einen prestigeträchtigen Botschafterposten Österreichs an: in Paris (ihr Favorit) oder aber auch London, Berlin oder Washington.

Folgen innerhalb der SPÖ absehbar
Die Szenarien der SPÖ für den Tag danach sind seit Wochen hinter den Kulissen klar - und hüben wie drüben von allen Seiten intensiv durchgespielt worden:

Wenn Fischer gewinnt, hat Alfred Gusenbauer die Chance, eine EU-Liste nach seiner Fasson durchzuboxen. Und könnte dann die wichtigste Voraussetzung für einen neuerlichen Anlauf ins Kanzleramt schaffen: Hat die SPÖ unter seiner - zwar viel kritisierten, aber dann doch effizienten - Führung in Salzburg den Landeshauptmann erobert, in Kärnten zumindest zugelegt, die AK-Wahlen dominiert, Präsidenten- und - möglicherweise - auch die EU-Wahl gewonnen, müssten Gusenbauers Kritiker wohl oder übel schweigen.

Wenn Fischer verliert, gibt es gleich mehrere denkbare Szenarien: Das wahrscheinlichste ist zunächst ein Köpferollen in der SP-Zentrale, Gusenbauer wird vom Parteivorstand an die Kandare genommen und in ein Team "eingebettet". Beim SP-Parteitag im November, wo sich Gusenbauer seiner Wiederwahl als Parteichef stellen muss, wird es von der Anzahl der Streichungen abhängen, ob er sofort zurücktritt, oder - so wird es ihm mitgeteilt werden - irgendwann Ende 2005 einem anderen Kanzlerkandidaten (RTL-Europe Chef Gerhard Zeiler wird immer wieder ventiliert) Platz machen muss. (red)

22.4.2004 10:29