Dienstag, 20. April 2004

Lettland: Mit Frauenpower in die EU - Kandidaten-Porträt zur EU-Erweiterung

  • Antrag auf EU-Beitritt stellte das Land im Oktober 1995

Mit Vaira Vike-Freiberga bekommt die EU erstmals eine Frau als Staatsoberhaupt eines Mitgliedstaates. Auch in der Kommision setzt Lettland auf Frauenpower; die jetzige parteilose Außenministerin Sandra Kalniete wird am 1. Mai Betreuendes Kommissionsmitglied bei Franz Fischler.

Lettland liegt zwischen den beiden baltischen Republiken Estland im Norden und Litauen im Süden. Die Republik zählt rund 2,4 Millionen Einwohner und erstreckt sich über eine Fläche von 64.589 Quadratkilometer. Die Bevölkerung besteht zu 58 Prozent aus Letten und zu 30 Prozent aus Russen. Die übrige Bevölkerung ist weißrussischer, ukrainischer, polnischer und litauischer Herkunft. Die Hauptstadt der früheren Sowjetrepublik ist Riga. Seit 1991 ist die Republik unabhängig.

Staatspräsident Lettlands ist die parteilose Vaira Vike-Freiberga, die das Amt seit Juli 1999 innehat. Seit März 2004 führt Ministerpräsident Indulis Emsis von der Partei Union Grüne und Landwirte eine Koalitionsregierung mit der Bürgerpartei und Erste Partei. Den Antrag auf EU-Beitritt stellte das Land im Oktober 1995. Wie die beiden anderen baltischen Republiken ist auch Lettland seit Ende März 2004 Mitglied der NATO.

67 Prozent der Letten stimmten im September 2003 für einen Beitritt des Landes zur EU. Wie auch die Bürger in den anderen baltischen Republiken fürchten die Letten zunehmend, von Brüsseler Bürokraten zentralistisch regiert zu werden wie einst von Moskau.

Das Bruttosozialprodukt Lettlands wuchs 2002 um 6,1 Prozent. Dazu trugen Dienstleistungen 63 Prozent bei, die Industrie 33 und die Landwirtschaft fünf Prozent. Allerdings sind 18 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt. In der Industrie sind es 24 Prozent und im Dienstleistungssektor 58 Prozent. 2003 waren 10,5 Prozent der Letten arbeitslos. Die Inflation betrug 2,9 Prozent. Das Haushaltsdefizit lag 2003 bei 1,8 Prozent. Die Staatsverschuldung lag 2002 bei 15,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Neue Kommissarin
Die 52-jährige Sandra Kalniete ist seit November 2002 lettische Außenministerin. Mit dem Beitritt ihres Landes zur EU wechselt sie als Betreuendes Kommissionsmitglied ins Büro des österreichischen Agrar-Kommissars Franz Fischler.
Kalniete war von 2000 bis 2002 Botschafterin bei der UNESCO, davor in der lettischen Botschaft in Paris (1997 - 2002) und bei den Vereinten Nationen in Genf (1993 - 1997) tätig. Von 1990 bis 1993 war Kalniete Protokollchefin im Außenministerium und stellvertretende Außenministerin.

20.4.2004 12:18