Vereiteltes Attentat auf afghanischen Präsidenten-Täter wollte Sprengsatz werfen
- Am gleichen Ort bereits vor zwei Jahren Mordversuch
- Appelierte bei Veranstaltung zur Teilnahme an Wahl
Der Militärkommandant von Kandahar, General Chan Mohammed, bestätigte einen Anschlagsversuch auf Karsai. Der örtliche Polizeichef Sadik Hulla sagte, der mutmaßliche Attentäter werde von Geheimdienst-Agenten verhört. Er fügte hinzu, dass vermutete Komplizen nicht gefunden worden seien.
Demnach hatte der Mann eine "Minibombe" oder eine Granate bei sich gehabt. Eine regierungsnahe Quelle sprach der Nachrichtenagentur AFP gegenüber lediglich von einem "Vorfall von geringer Bedeutung".
Im September 2002 war bereits ein Mordanschlag auf Karsai versucht worden. Damals eröffnete ein Wächter das Feuer auf den Präsidentenwagen, als er die Gouverneursresidenz verließ. Karsais US-Leibwache schoss zurück und tötete vier Menschen, darunter den Angreifer.
Wahlen im September
Der afghanische Übergangspräsident Hamid Karsai hat an die entmachteten radikal-islamistischen Taliban appelliert, bei den Wahlen im September ihre Stimme abzugeben. "Sie sind afghanische Bürger, sie können sich registrieren lassen und sich an den Wahlen beteiligen", sagte Karsai am Sonntag bei einem Besuch in Kandahar.
Die Regierung versuche, über einen Frieden mit den Aufständischen zu verhandeln. Die Visite des aus Kandahar stammenden Karsai in der ehemaligen Taliban-Hochburg fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt.
Nach Angaben seines Sprechers, Jawed Ludin, rief Karsai allerdings nur jene, deren "Hände nicht blutbefleckt sind" dazu auf, an den Wahlen im Herbst teilzunehmen. Ein Taliban-Kommandant wies den Appell Karsais umgehend zurück. "Wir werden unsere Anstrengungen verstärken, die Wahlen zu verhindern und werden jeden töten, der sich daran beteiligt", sagte Taliban-Befehlshaber Mullah Dadullah der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon. Der Taliban-Vertreter bestritt gleichzeitig, dass es Gespräche der Taliban mit der Regierung gebe.
Die für September geplanten Präsidenten- und Parlamentswahlen sind die ersten in der Geschichte des Landes. Rund 1,8 Millionen von zehn Millionen wahlberechtigten Afghanen haben sich für die Wahlen bisher registrieren lassen. Aus Sicherheitsgründen war die ursprünglich für Juni vorgesehene Abstimmung verlegt worden. Eine neue Welle der Gewalt im Süden und Südosten des Landes behindert derzeit die Bemühungen der Vereinten Nationen, die Registrierung der Wahlberechtigten voranzutreiben.
(APA/red)
