Sonntag, 25. April 2004

Schreckliches Szenario in Nordkorea: Bahnkatastrophe zerstörte halben Ort

  • Ryongchon sah wie nach schwerem Erdebeben aus
  • Erste Hilfsgüter für die Opfer erreichen Ryongchon

Die gewaltigen Explosionen bei dem Zugunglück in Nordkorea haben 40 Prozent des Ortes Ryongchon im Nordwesten des Landes zerstört oder beschädigt. Nach UNO-Angaben wurden mehr als 1.800 Häuser zerstört oder beschädigt. Unter den Todesopfern befanden sich zahlreiche Kinder. Drei Tage nach der Bahnkatastrophe ist am Sonntag die erste Hilfslieferung für die Opfer aus dem Ausland eingetroffen.

Wie das Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten in Pjöngjang nach dem ersten Besuch ausländischer Helfer an der Unglücksstelle berichtet, hätten viele Kinder zum Zeitpunkt des Unglücks am Donnerstagmittag gerade eine nahe gelegene Schule verlassen, um nach Hause zu gehen. Deswegen seien 76 Schulkinder unter den offiziell gezählten 154 Toten.

Der Ort sah wie nach einem schweren Erdbeben aus. 1.850 Häuser und eine große Zahl öffentlicher Gebäude, einschließlich Schulen und Büros, seien zerstört oder beschädigt worden, berichtete das UN-Büro. Viele Familien hätten ihre ohnehin kargen Nahrungsmittelvorräte verloren. Der Ort habe kein funktionstüchtiges Krankenhaus mehr. Die Wasser- und Stromversorgung sei schwer beeinträchtigt worden. Obdachlose seien bei anderen Bewohnern untergekommen. Das Rote Kreuz hat Decken, Küchenmaterial, Tabletten zur Trinkwasseraufbereitung und andere Hilfsgüter verteilt.

Erste Hilfslieferung ist eingetroffen
Ein chinesischer Konvoi mit elf Lastwagen erreichte die nordkoreanische Grenzstadt Sinuiju unweit des Unglücksortes Ryongchon, berichtete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Zur Hilfslieferung gehören 300 Zelte, Nahrungsmittel wie Konserven und Nudeln sowie andere Hilfsgüter.

Nach Angaben informierter Kreise bezifferte ein Manager des Transportunternehmens den Wert auf eine Million Yuan (100.000 Euro). Es sei der Anfang der chinesischen Hilfslieferungen. China hatte Nordkorea Unterstützung im Wert von zehn Millionen Yuan zugesagt. Ein weiterer Konvoi internationaler Hilfsorganisationen mit medizinischem Material, Plastikplanen für die Obdachlosen und anderen Hilfsgütern wurde erwartet. Die Hilfsorganisationen mussten bislang auf ihre ohnehin begrenzten Vorräte im Land zurückgreifen.

Bei dem Zugunglück war beim Rangieren ein Tankwagen mit zwei Waggons voller Chemikalien kollidiert. Ein Kurzschluss durch einen umgestürzten Strommasten entzündete die explosiven Stoffe. (apa/red)

25.4.2004 08:57