Donnerstag, 22. April 2004

Verheerendes Zugunglück in Nordkorea: Offenbar wurde auch Schule zerstört

  • Laut Regierung 76 Kinder unter den 154 Toten
  • Rotes-Kreuz-Mitarbeiter: "Überall lagen nur Trümmer"

Die verheerenden Explosionen bei dem Rangierunglück in Nordkorea "haben in einem Umkreis von einigen hundert Metern alle Gebäude zerstört". Der Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Pjöngjang, Jay Matters, der am Samstag den Unglücksort Ryongchon besucht hat, berichtete, eine ganze Schule sei zerstört worden. Das könne möglicherweise erklären, warum nach nordkoreanischen Angaben 76 Kinder unter den 154 Toten waren. Ras Regime hatte zuvor nach Angaben chinesischer Staatsmedien erstmals die Zahl der Toten der Zugexplosion von Ryongchon genau beziffert.

In seinen telefonischen Schilderung an das Büro der internationalen Rotkreuzvereinigung in Peking berichtete Matters, die Bewohner der kleinen Stadt hätten die meisten Obdachlosen schon in ihren Häusern aufgenommen. Zwei Lastwagen mit medizinischem Material aus Pjöngjang und andere Hilfsgüter des Roten Kreuzes aus einem Lager in der Gegend seien eingetroffen. Unter anderem seien Decken und Tabletten zur Trinkwasseraufbereitung verteilt worden.

Matters beschrieb weit reichende Zerstörungen. "Als wir zu der Bahnstation kamen, lagen überall nur Trümmer. Es gab riesige Krater im Boden. Die Gebäude rundherum waren dem Erdboden gleich gemacht", sagte Matters. "Es war ein einziges Durcheinander."

Nordkorea bestätigt: "Sehr ernstes Zugunglück"
Wenige Stunden zuvor hatte Nordkorea offiziell erklärt, dass es im Bahnhof von Ryongchon nahe der chinesischen Grenze ein "sehr ernstes" Zugunglück gegeben hat. Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA meldete zwei Tage nach dem Unglück, die Explosion sei durch "Unachtsamkeit" ausgelöst worden, als mit Sprengstoff beladene Waggons beim Rangieren mit Stromleitungen in Kontakt kamen. Bisherige Ermittlungen hätten ergeben, dass der Schaden "sehr ernst" sei. Angaben über die Zahl der Opfer enthielt die Meldung nicht.

Internationale Unterstützung
Nach Berichten der britischen Botschaft seien bei der schweren Zug-Explosion in Nordkorea mehrere hundert Menschen getötet und mehrere tausend verletzt worden. Die USA, Südkorea, Russland, Australien und Deutschland boten Nordkorea bereits Unterstützung an.

Auch in Österreich traf ein nordkoreanische Gesuch um internationale Hilfe ein. Wie der Sprecher des Innenministeriums, Rudolf Gollia, zur APA sagte, gebe es "vorerst keine Veranlassung, tätig zu werden". Einerseits sei die Entfernung zu groß, andererseits gebe es derzeit noch zu wenig Informationen über das Unglück. Die Europäische Union organisiert Soforthilfe im Wert von 200.000 Euro für die Opfer der Zugkatastrophe in Nordkorea. Das teilte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mit. In Zusammenarbeit mit dem dänischen Roten Kreuz stellt die EU vor allem medizinische Hilfsgüter und Ausrüstung für Notunterkünfte bereit.

Nordkorea akzeptiert UNO-Hilfe
Ein Hilfsangebot der Vereinten Nationen (UNO) akzeptierte die Führung Nordkoreas bereits. Eine Mission verschiedener UN-Hilfsorganisationen werde sich an den Schauplatz der Katastrophe begeben, sagte ein Sprecher des UN-Welternährungsprogramms (WFP) in Genf. Wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte, sollte am Samstag auch ein Vertreter der Europäischen Union ins Unglücksgebiet reisen.

Unzählige Häuser und Wohnungen zerstört
Die Explosion in der 120.000-Einwohner-Stadt Ryongchon hatte in einem Umkreis von 500 Metern alles dem Erdboden gleichgemacht. Einer irischen Helferin zufolge waren unter den Todesopfern mehrere Schulkinder. Mehr als 8.000 Häuser und Wohnungen seien zerstört oder beschädigt worden, rund 1.850 vollständig und 6.350 teilweise, meldete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf das Rote Kreuz. (apa/red)

22.4.2004 16:22