Dutroux nannte Mitangeklagten als Auftraggeber für Entführung
- Ursprünglich sollte anderes Mädchen entführt werden
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Vorwürfe gegen Dutroux, Nihoul, Martin und Lelievre
Der mutmaßliche Mädchenmörder Marc Dutroux hat seinen Mitangeklagten Michel Nihoul als Auftraggeber der letzten Entführung bezeichnet. Allerdings habe ursprünglich ein anderes Mädchen als die damals 14-jährige Laetitia Delhez verschleppt werden sollen, sagte Dutroux am Mittwoch im Schwurgericht von Arlon. Nihouls Anwalt bezichtigte den Hauptangeklagten der Lüge.
Dutroux sagte den Richtern, er sei am Tag vor der Entführung mit Nihoul in der südbelgischen Kleinstadt Bertrix gewesen. Dort habe Nihoul ihm seine Wünsche erläutert. "Es ging um ein junges Mädchen, aber nicht Laetitia", sagte Dutroux zu der Tat, bei der sein geständiger Komplize Michel Lelivre half. "Wir sollten sie am frühen Nachmittag des 9. Mai am Schwimmbad von Bertrix entführen. Aber weil wir an dem Tag eine Panne hatten, kamen wir zu spät in Bertrix an und haben Laetita entführt, um Michel Nihoul so eine Freude zu machen."
Der Verteidiger des mehrfach vorbestraften Betrügers Nihouls wies diese Darstellung zurück. "Herr Dutroux, sie haben ihre Fähigkeit zur Lüge und zur Manipulation einmal mehr fantastisch unter Beweis gestellt", sagte Anwalt Frederic Clement de Clety. Am Nachmittag des fraglichen Tages seien mehrere Telefonate mit dem Apparat in Nihouls Brüsseler Wohnung registriert worden. Sein Mandant habe nicht gleichzeitig im fast 200 Kilometer entfernten Bertrix sein können.
Allerdings wollte kein Zeuge am Mittwoch vor Gericht das Alibi Nihouls für den Vortag der Entführung von Laetitia Delhez bestätigen. Nihouls Bekannter Michel Vander Elst sagte, er sei nicht mehr sicher, mit Nihoul am 8. Mai 1996 eine Wohnung gestrichen zu haben. "Es war vielleicht der 6. oder 7.", erklärte der frühere Anwalt, der seine Zulassung wegen einer Haftstrafe im Zusammenhang mit der Entführung eines belgischen Politikers verlor.
Nihoul ist im Dutroux-Prozess unter anderem des Drogenhandels und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung angeklagt. Im Mittelpunkt des Prozesses steht die Entführung von insgesamt sechs Mädchen Mitte der neunziger Jahre, von denen vier während ihrer Gefangenschaft qualvoll starben. (apa/red)
