Donnerstag, 22. April 2004

Kassen-Streit: Vizepräsident Gleitsmann will Geschäftsführerin Hartinger loswerden

  • Konflikt zwischen Hauptverbands-Mitgliedern eskaliert
  • Grotesk: Gremien sind ohnehin verfassungswidrig

Der Streit um den Wiener Kassenvertrag nimmt langsam absurde Dimensionen an. Laut einem Zeitungsbericht will Vizepräsident Gleitsmann nun Geschäftsführerin Hartinger loswerden. Anlass war ihre Kritik am Auftreten des Wirtschaftskammer-Manns beim Spitzengespräch mit Wiener Gebietskrankenkasse und Ärztekammer vergangenen Freitag.

Laut "WirtschaftsBlatt" (Dienstag-Ausgabe) will Gleitsmann eine vorzeitige Vertragsauflösung bei der nächsten Verwaltungsratssitzung am kommenden Freitag auf die Tagesordnung bringen. Der Vizepräsident meint dazu, dass er über Hartingers Verhalten reden wolle: "Das wird sicher noch ein Thema sein, das zu besprechen ist. Sie hat schwerwiegende Vorwürfe erhoben." Da Hartinger nicht Sprecherin der Geschäftsführung sei, hätte sie nicht vor die Medien treten dürfen, ohne mit ihren Kollegen in der Geschäftsführung darüber zu reden. Ob und welche Konsequenzen das wirklich haben werde, will Gleitsmann noch nicht sagen. "Ausschließen will ich aber nichts."

"Sprachlos und entsetzt"
Hartinger, von der FPÖ gefördertes Mitglied der vierköpfigen Geschäftsführung, hatte in den letzten Wochen wie das gesamte Gremium den Wiener Kassenvertrag verteidigt. Nach der freitägigen Sitzung hatte sie sich "sprachlos und entsetzt" über Gleitsmann gezeigt. Gefragt, ob sie die Meinung teile, dass der Vizepräsident zu wenig über das Kassensystem wisse, meinte Hartinger: "Man könnte es so sehen." Allerdings hatte es dazu in der Sitzung ein Vorspiel gegeben, als Gleitsmann nach übereinstimmenden Angaben von Teilnehmern der Besprechung der Geschäftsführung falsche Informationen an den Verwaltungsrat vorgeworfen hatte.

Für eine Ablöse ist nach Ansicht der Geschäftsführerin jedenfalls kein Anlass vorhanden. Wenn Gleitsmann ihren Abtritt wolle, nur weil sie sein Verhalten kritisiert habe, finde sie das "komisch".

Viel Lärm um nichts?
Was die ganze Situation besonders kurios macht, ist, dass beide Gremien eigentlich schon als verfassungswidrig aufgehoben worden sind. Bis spätestens Jahresende ist eine Reparatur der gesamten Hauptverbands-Konstruktion vonnöten. Dann wird es ohnehin eine Neubesetzung der Spitzenpositionen geben.

(apa/red)

22.4.2004 11:52