Mittwoch, 14. April 2004

Gegen den Trend: Speicherchip-Preise überraschend stark gestiegen

  • DRAM-Produzenten dürfen sich freuen
  • Experten warten kein Sinken der Preise

Anders als vor kurzem prognostiziert steigen die Preise für Computer-Speicherchips (DRAMs) derzeit so stark wie seit über vier Jahren nicht mehr. Hintergrund sind Analysten zufolge Kapazitätsengpässe durch die Umstellung auf effizientere Produktionstechnologien, die durch die zunehmende Konzentration vieler Hersteller auf andere Speicherprodukte noch verstärkt werden. DRAM-Produzenten wie Samsung oder Infineon dürfte dies freuen - zumal kaum ein Experte sinkende Preise erwartet.

"Die DRAM-Preise werden in diesem und im nächsten Jahr voraussichtlich stabil bleiben", sagt Yu Chang Eyun, Analyst bei BNP Paribas Peregrine in Seoul. Seit Jahresbeginn sind sie um mehr als 70 Prozent gestiegen, was umso überraschender ist, da das erste Quartal für die Branche traditionell schwach verläuft. Unterdessen verzeichnen die Chiphersteller wachsende Gewinne und auch die Aktien der Branche legten zuletzt kräftig zu.

Damit steht die tatsächliche Preisentwicklung in dem stark schwankungsanfälligen Halbleitersegment in krassem Gegensatz zu den Erwartungen Ende 2003, als Analysten einen weiteren Preisverfall in Folge steigenden Angebots prognostiziert hatten.

"Auf der einen Seite gibt es Probleme mit technischen Upgrades, und auf der anderen Seite stellen die Produzenten ihre Kapazitäten auf Flash-Speicherchips und andere Chips um", sagt Eric Tang, Sprecher von Powerchip Semiconductor. Powerchip ist Taiwans größter Hersteller so genannter DRAM-Speicherchips.

Rund 80 Prozent des DRAM-Angebots kommt in Computern zum Einsatz. Der Preis für das Standardprodukt der Branche - der 256-Megabit DDR-DRAM-Chip - liegt nach Angaben der Handelsplattform DRAMexchange.com mittlerweile bei 6,53 Dollar nach 3,70 Dollar zu Jahresbeginn. Ende 2003 hatten Analysten noch einen Preisrückgang bis auf 3,30 Dollar prognostiziert.

Immer mehr DRAM-Produzenten satteln auf Flash-Speicherchips um, ein Segment, in dem zumindest derzeit die Preise als stabiler gelten und Überkapazitäten eine untergeordnetere Rolle spielten. Anders als DRAMs speichern Flash-Bausteine ihre Daten auch dann, wenn die Stromzufuhr unterbrochen wird. Sie sorgen dafür, dass Mobiltelefone oder Taschencomputer auf Knopfdruck einsatzbereit sind.

Durch die Umstellung bleibt den Speicheranbietern weniger Kapazität für die DRAM-Herstellung - eine Entwicklung die etwa beim Speicherchip-Marktführer Samsung Electronics erkennbar wird. So haben die Koreaner ihre DRAM-Produktion auf 60 von über 80 Prozent ihres gesamten Angebots noch vor zwei Jahren heruntergefahren, um die Flash-Produktion auszubauen.

Engpässe bei DRAMs entstehen aber auch dadurch, dass ihre Hersteller die Chip-Strukturen laufend verkleinern, um so eine höhere Produktivität zu erzielen. Dieser hoch komplexe Vorgang geht häufig nicht ohne Probleme - und damit Produktionsausfälle - von statten. (apa/red)

14.4.2004 14:40