Mittwoch, 14. April 2004

Jetzt brennt der Hut...
42:40 im Kampf um die Hofburg

  • Lesen Sie jetzt im neuen NEWS: Prominente und Opinion-Leader verraten, wem sie ihre Stimme geben

Zehn Tage vor der Wahl liegen Fischer und Ferrero praktisch gleichauf. Aber: Zwei Millionen überlegen noch.

Dieses Finale ist an Dramatik nicht zu überbieten: Laut der letzten NEWS-Gallup-Umfrage zehn Tage vor der Wahl steht es im Duell Benita Ferrero-Waldner gegen Heinz Fischer 40 zu 42 Prozent. Der Vorsprung Fischers schrumpfte um einen Prozentpunkt, Ferrero legte um diesen Wert zu. Gallup-Chef Fritz Karmasin: „Vor Ostern war ich ziemlich sicher, dass Fischer seinen Vorsprung ins Ziel rettet. Jetzt liegt der Unterschied innerhalb der statistischen Schwankungsbreite: Am Wahlabend könnte genauso gut Ferrero voran liegen.“

2 Mio. überlegen noch. Neben der Unmöglichkeit einer seriösen Prognose lautet noch die große Unbekannte: Erst 68 Prozent sind sich ihrer Wahlentscheidung völlig sicher, 29 Prozent, fast zwei Millionen, wollen es sich noch überlegen. Dazu kommt laut Karmasin: „Wenn nur 81 Prozent sagen, dass sie sicher wählen, wird die Wahlbeteiligung aus Erfahrungswerten heraus deutlich unter 80 Prozent liegen.“

Wem das nützt? Demjenigen, der seine eigenen Anhänger am besten mobilisiert, was 45 Prozent Fischer, 33 Prozent Ferrero zutrauen. Ganz so sicher dürfte sich freilich Fischer-Manager Norbert Darabos da nicht sein – alarmiert davon, dass im SP-Kernland Wien die Zustimmung auf 44 Prozent sank und dass dort die Zahl de-
rer, die sicher nicht wählen, auf acht Prozent hinaufschnellte, muss das Fischer-Team jetzt um jede Stimme kämpfen.

Fischers Gewalttour. Fischer wird, nur unterbrochen durch das TV-Duell am Donnerstag und durch ein Hearing mit der FP-Spitze am kommenden Dienstag, noch zweimal ganz Österreich bereisen. Nach einer konventionellen Tour im Wahlkampftross geht es ab kommenden Mittwoch mit dem „Zukunfts-Express“ per Bahn in 80 Stunden durch alle Bundesländer (nur das Burgenland wird per Auto bereist), bis am nächsten Samstag in Wien das „Grande Finale“ in der Innenstadt steigt. Dazu gibt es „heiße Hände“, rund 250.000 Briefe, die Bürgermeister und Abgeordnete an Jungwähler schreiben, und dann will der SP-Kandidat, spät aber doch, endlich „seine“ Themen platzieren.

Angriff auf Ferrero. Europa etwa in einer Diskussion mit Karl Schwarzenberg, sein Amtsverständnis in einer eigenen Veranstaltung kommenden Dienstag, seine Unterschiede zu Ferrero in Sachen Sozialpolitik bei allen Wählerkontakten und vor allem: Neutralitäts- und Friedenspolitik.

Darabos: „Durch die Diskussionsverweigerung Ferreros und tiefe Aktionen wie die Mannerschnitten-Debatte, die zwar von Ferreros Leuten kamen, aber auch uns angelastet werden, können wir erst im Finale spielen, dass Ferrero vor einem Jahr österreichische Polizisten in den Irak senden wollte – bei der aktuellen Entführungswelle denken wir mit Schaudern daran, was wäre, wenn da der erste Zinksarg heimkäme.“

Ein Unterfangen, das laut Karmasin sehr, sehr spät kommt: „Wenn Fischer gleich gesagt hätte, dass er als Präsident und Oberbefehlshaber unsere jungen Männer nicht in Kriege schicken würde, dass wir deshalb nicht zur Nato gehen, wäre heute das Rennen wohl gelaufen. Ob das jetzt noch greift, wage ich zu bezweifeln.“

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PLUS: Endspurt - Die Aufmarschpläne fürs Finale. Und: Wie brutal die Schlacht um Ferreros Nato-Sager & Fischers Vergangenheit wird.
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14.4.2004 14:34