Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Ernst Welteke, tritt zurück!
- Banker stolpert über Hotel-Affäre
- Bankvorstand spricht von angemessenem Schritt
·Die Welteke-Affäre weitet sich aus
CDU/CSU wollen Fall vor das Parlament bringen
·Reisen, Honorare und Flugmeilen
Politiker stolpern über Vergünstigungen
Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Ernst Welteke, ist zurückgetreten. Das teilte die Bundesbank in Frankfurt mit. Er zog damit die Konsequenzen aus der Hotel-Affäre. Welteke hatte sich und seiner Familie vier Nächte im Berliner Luxus-Hotel Adlon von der Dresdner Bank bezahlen lassen. Der Vorstand der Bundesbank bezeichnete das Rücktrittsersuchen Weltekes als angemessen.
"Der Vorstand hält diesen Schritt im Hinblick auf das Ansehen der Institution und die Wahrnehmung ihrer Aufgaben für angemessen", teilte die Bundesbank weiter mit. Bisher hatte Welteke sein Amt auf Drängen des Notenbankvorstands lediglich ruhen lassen. Er führte die Bundesbank seit September 1999. Welteke hat seinen Rücktritt selbst angeboten und auch den Bundeskanzler bereits unterrichtet.
Welteke war in die Kritik geraten, nachdem bekannt geworden war, dass die Dresdner Bank ihm und seiner Familie zur Euro-Bargeldeinführung Silvester 2001/2002 einen viertägigen Aufenthalt im Berliner Luxushotel Adlon für rund 7.660 Euro bezahlt hatte. Welteke und die Bundesbank erstatteten daraufhin die Rechnung. Inzwischen ermittelt auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme. Am 7. April hatte Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark Weltekes Amtsgeschäfte kommissarisch übernommen.
Welteke selbst geht mit seinen Kritikern hart ins Gericht. "Die Missachtungen der grundgesetzlich garantierten Unabhängigkeit der Deutschen Bundesbank und ihrer Organe halten an", erklärte Welteke. Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Bundesfinanzministerium und ihm sei "irreparabel zerstört", sagte Welteke in einer am Freitagabend verbreiteten Erklärung der Bundesbank.
"Meine Integrität, aber auch die der Bundesbank, wird ständig weiter mit verzerrenden und falschen Darstellungen verletzt", erklärte Welteke. Noch immer wisse er nicht, was dem Finanzministerium an anonymen Schreiben zugegangen sei und was weiterhin den Medien zugespielt werde.
Die Bundesbank benötige aber in schwieriger Zeit einen Präsidenten, der unbeeinflusst im Rat der Europäischen Zentralbank an der europäischen Stabilitätspolitik mitwirke und der vor allem frei sei, die Bundesregierung zu beraten und "im vertrauensvollen Einvernehmen mit dem Bundesfinanzministerium in internationalen Gremien für Deutschland einzustehen". Da dies in seiner Person nicht mehr gewährleistet sei, bitte er den Bundesbankvorstand, ihn aus seinem Amt zu entlassen.
(APA/red)
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