Zypern: Die geteilte Mittelmeer-Insel
Ein Kandidatenporträt zur EU-Erweiterung
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Mit tiefer Enttäuschung hat die Europäische Kommission das deutliche Nein der griechischen Volksgruppe bei der Volksabstimmung zur Wiedervereinigung der Mittelmeerinsel Zypern zur Kenntnis genommen. Natürlich werde diese demokratische Entscheidung respektiert, teilte die Kommission in Brüssel mit. Doch hieß es in der Erklärung: "Eine einzigartige Gelegenheit, die lang andauernde Zypern-Frage zu lösen, wurde verpasst." Somit wird nur der griechische Süden der EU beitreten.
Der geteilte Inselstaat Zypern liegt vor den Toren des Nahen Ostens im östlichen Mittelmeer. Im Norden der Insel liegt die Türkei, östlich liegen die Küsten Syriens und Libanons. Die Insel erstreckt sich über eine Fläche von 9.251 Quadratkilometer und hat insgesamt rund 760.000 Bewohner. Die Griechenland nahe stehende Republik Zypern umfasst 5.896 Quadratkilometer und stellt mit 639.200 Bewohnern rund 85 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die "Türkische Republik Nordzypern" wird international nur von der Türkei anerkannt.
Hauptstadt der Republik Zypern ist Nikosia. Staats- und Regierungschef des griechischen Teils ist seit Februar 2003 Tassos Papadopoulos von der Demokratischen Partei, der einer Minderheitsregierung vorsteht. Staatsoberhaupt der Türken ist der parteilose Rauf R. Denktas. Die Koalitionsregierung der türkischen Zyprioten aus Nationaler Einheitspartei und der konservativen Demokratischen Partei führt seit 1996 Mehmet Ali Talat von der Nationalen Einheitspartei an. Unabhängig ist die frühere britische Kolonie seit 1960. Der Jahrzehnte alte Konflikt zwischen Griechenland und Türkei führte schließlich dazu, dass der Norden der Insel 1974 von der Türkei besetzt wurde. Dies besiegelte die Teilung Zyperns. An der rund 180 Kilometer langen Grenze richtete die UNO eine Pufferzone ein, die von Blauhelmsoldaten überwacht wird.
Unter der Leitung der UNO und unter Einbeziehung der Mutterländer Griechenland und Türkei verhandelten die Volksgruppen über einen Wiedervereinigungsplan. Am 24. April stimmten die griechischen und türkischen Zyprioten in zwei getrennten Referenden über einen Bundesstaat mit ungeteilter Souveränität aus zwei ethnischen Gebietseinheiten (Kantonen) ab. Da nicht beide Abstimmungen positiv endeten (die Griechen lehnten den plan ab), wird nur der Süden der Insel der EU beitreten.
Wirtschaftlich ist der griechische Teil Zyperns fit für den Beitritt. Das Wachstum betrug 2002 zwei Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt im Süden besteht zu vier Prozent aus der Landwirtschaft, 22 Prozent aus der Industrie und 73 Prozent aus Dienstleistungen, wobei der Tourismus hierbei die größte Rolle spielen dürfte. In der Landwirtschaft arbeiten im Süden rund zehn Prozent der Bevölkerung, im Norden sind es noch rund 23 Prozent. Die Arbeitslosigkeit im Süden betrug 2003 4,4 Prozent. Die Inflation lag bei vier Prozent und das Haushaltsdefizit bei 6,3 Prozent. Die Staatsverschuldung summierte sich 2002 auf 67,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Neuer Kommissar
Für Zypern soll der derzeitige Finanzminister mit dem patriotischen Namen Markos Kyprianou nach Brüssel gehen. Der 44 Jahre alte Jurist wird betreuendes Kommissionsmitglied im Büro von Haushaltskommissarin Michaele Schreyer. Der promovierte Jurist begann Kyprianou innerhalb der Demokratischen Partei Zyperns. Für diese wurde er 1991 erstmals in Parlament von Nikosia gewählt. Seit März 2003 ist Kyprianou zypriotischer Finanzminister.
(apa, red)
