Freitag, 16. April 2004

Slowenien: Ex-Teil Jugoslawiens in der EU
Ein Kandidatenporträt zur EU-Erweiterung

  • Slowenen bereiten sich bereits auf Euro-Einführung vor

Mit Slowenien tritt am 1. Mai die erste frühere Teilrepublik Jugoslawiens der EU bei. In den zwölf Jahren seiner Unabhängigkeit nach dem Zerfall des Balkanstaates orientierte sich Slowenien stark an den Westen. Mit Erfolg: Das Wirtschaftswachstum beträgt drei Prozent, das Defizit 1,3 Prozent - weniger als viele der "alten" EU-Staaten.

Slowenien ist die bisher einzige frühere Teilrepublik Jugoslawiens, die mit dem EU-Beitritt den Sprung in den Westen schaffen wird. Das Land grenzt im Norden an Italien und Österreich. Es erstreckt sich über einer Fläche von 20.253 Quadratkilometern. Slowenien hat fast zwei Millionen Einwohner, von denen rund 90 Prozent Slowenen sind. Die restliche Bevölkerung stammt zum Großteil aus Kroatien und Serbien. Hauptstadt des Landes ist Laibach, das mit 280.000 Einwohnern auch die größte Stadt des Landes ist.

Slowenien ist seit 1992 unabhängig. Staatsoberhaupt ist seit dezember 2002 der Liberaldemokrat Janez Drnovsek. Die Regierungskoalition aus Liberaldemokraten und Sozialdemokraten wird - ebenfalls seit Dezember 2002 - vom Liberaldemokraten Anton Rop angeführt.

Den Antrag auf Beitritt zur Europäischen Union stellte Slowenien im Juni 1996. Beim EU-Referendum im März 2003 stimmten über 89 Prozent der Slowenen für den Beitritt, die zeitgleich abgehaltene Abstimmung zu einem NATO-Beitritt, der Slowenien seit ---- angehört, betrug die Zustimmung nur 66 Prozent.

Das Wirtschaftswachstum des Landes lag 2002 bei 2,9 Prozent. Die Wirtschaftsleistung wird zu vier Prozent in der Landwirtschaft erbracht, in der zwölf Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt sind. In der Industrie arbeiten 40 Prozent und erwirtschaften 39 Prozent des BIP. Der Anteil der Dienstleistungen am BIP beträgt 57 Prozent. Hier arbeiten 48 Prozent der Beschäftigten. 2003 betrug die Arbeitslosenrate 6,5 Prozent. Die Inflation des Landes lag bei 5,7 Prozent, das Haushaltsdefizit 2003 bei 1,8 Prozent. Die Staatsverschuldung summierte sich 2002 auf 27,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Neuer Kommissar
Der 45-jährige promovierte Wirtschaftswissenschaftler Janez Potocnik ist seit 2002 slowenischer Europaminister. Im früheren kommunistischen Jugoslawien und später im unabhängig gewordenen Slowenien war er als Wissenschaftler tätig. 1993 wurde er Leiter des staatlichen slowenischen Amtes für makroökonomische Forschung, bevor er 1998 zum Verhandlungsleiter für die Beitrittsgespräche ernannt wurde. Am 1. Mai wechselt der verheratete Vater zweier kinder als Betreuendes Kommissionsmitglied ins Büro von Erweiterungskommissar Günther Verheugen.
(apa, red)

16.4.2004 14:59