Freitag, 16. April 2004

Ungarn ist der beliebteste "Neuling"
Ein Kandidatenporträt zur EU-Erweiterung

  • Beitrittsantrag schon im März 1994 gestellt

Die Bevölkerung Ungarns ist sehr homogen, besteht zu 97 Prozent aus Ungarn. Darüberhinaus gibt es noch einige Hundertausende Roma und Sinti, sowie kleine Minderheiten wie Slowaken, Serben aber auch Deutsche.

Ungarn erstreckt sich über eine Fläche von 93.030 Quadratkilometer und hat rund zehn Millionen Einwohner. Dies entspricht in etwa der Größe Griechenlands, Belgiens und Portugals. Die Bevölkerung besteht zu rund 97 Prozent aus Ungarn. Hinzu kommen nach unterschiedlichen Schätzungen 400.000 und 800.000 Sinti und Roma sowie kleine Minderheiten wie Slowaken, Serben und Deutsche. Hauptstadt ist Budapest, das mit rund 2,0 Millionen Einwohnern zugleich auch die größte Stadt des Landes ist.

Präsident Ungarns ist seit August 2000 der Jurist Ferenc Madl. Ministerpräsident ist seit der Wahl im Mai 2002 der Sozialdemokrat Peter Medgyessy, der eine Koalition aus Sozialisten (MSZP) und Liberalen (SZDSZ) führt. Medgyessy drängte damit der konservativen Viktor Orban aus dem Amt des Ministerpräsidenten. Orban sucht seither seine politische Zukunft teilweise in außerparlamentarischen Aktivitäten, Medgyessy ist nach dem Bekanntwerden seiner im Wahlkampf verschwiegenen Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst unter dem Kommunismus politisch angeschlagen.

Den Beitrittsantrag stellte Ungarn bereits im März 1994. Die Unterstützung für eine Aufnahme in die EU unter der Bevölkerung war in Ungarn während den Verhandlungen immer größer als in anderen Beitrittsländern. Beim Referendum im April 2003, an der nicht einmal die Hälfte der ungarn teilnehm, sprachen sich knapp 84 Prozent für die EU aus.

Die ungarische Wirtschaft ist 2002 um 3,5 Prozent gewachsen. Am Bruttoinlandsprodukt hat die Landwirtschaft einen Anteil von rund sechs Prozent, die Industrie von 33 und Dienstleistungen von 61 Prozent. Dies entspricht in etwa auch dem Verhältnis der Beschäftigungsstruktur. Im vergangenen Jahr waren 5,8 Prozent der Ungarn arbeitslos. Die Inflation lag bei 4,7 Prozent, das Haushaltsdefizit betrug 5,9 Prozent. Die Staatsverschuldung lag 2002 bei 57,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Neuer Kommissar
Der 62 Jahre alte Peter Balazs gilt als ehemaliger Botschafter seines Landes bei der EU bereits als Brüsseler Insider. Als solcher wird er am 1. Mai Betreuendes Kommissionsmitglied im Büro von Michel Barnier. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler arbeitete unter der kommunistischen Regierung im ungarischen Außenhandelsministerium. Nach dem Ende der KP-Herrschaft wurde er Staatssekretär im Handelsministerium, bevor er als Botschafter zunächst nach Dänemark und dann nach Deutschland ging. Ab 2002 bereitete er Ungarn als "Staatssekretär für die europäische Integration" auf den EU-Beitritt vor, 2003 wurde er EU-Botschafter in Brüssel. Balazs gilt als Sympathisant der sozialistischen Regierungspartei (MSZP). Er beherrscht vier Fremdsprachen - Englisch, Französisch, Deutsch und Russisch.
(apa, red)

16.4.2004 14:26