Dutroux-Prozess: Schockierende Aussagen von Opfer Sabine Dardenne
- Mädchenmörder drohte: "Sei brav oder du bist tot"

Im Prozess gegen den mutmaßlichen belgischen Mädchenmörder Marc Dutroux hat am Montag erstmals ein Opfer ausgesagt. Monatelang hatte die heute 20-jährige Sabine Dardenne im Keller ihres Peinigers Todesängste ausgestanden. Ihr Entführer habe mit einem bösen Chef gedroht, der sie umbringen wollte, schilderte sie. "Sei brav oder du bist tot", habe Dutroux sie bedroht.
Ohne Details zu nennen bestätigte die Zeugin, dass ihr Entführer sie mehrfach vergewaltigte. Auf die Frage einer Geschworenen, ob Dutroux ihr jemals von seiner Frau und seinen Kinder erzählt habe, antwortete die zur Tatzeit Zwölfjährige: "Natürlich nicht, ich war seine Frau." Wenn sie Dutroux zu Willen gewesen war, habe sie manchmal fernsehen dürfen. Ansonsten sei sie im Keller eingesperrt gewesen oder habe das völlig verschmutzte Haus putzen müssen, berichtete Dardenne mit belegter Stimme.
Sabine war am 28. Mai 1996, im Alter von zwölf Jahren, von Dutroux in ihrem Heimatort Kain bei Tournai auf dem Heimweg von der Schule verschleppt worden. Sie blieb rund drei Monate in seiner Gewalt. Nach der Festnahme Dutroux' wurde Sabine am 15. August 1996 aus dem Kellerverlies befreit.
Schwächeanfall von Eltern zweier Opfer
Zwei Elternteile der Opfer haben am Montag einen Schwächeanfall erlitten. Der Vater der ermordeten An, Paul Marchal, und die Mutter der überlebenden Laetitia Delhez, Patricia Martin, wurden in ein Krankenhaus gebracht. Vor dem Schwurgericht in Arlon hatte zuvor das zweite überlebende Opfer, die heute 20-jährige Sabine Dardenne, ausgesagt.
Marchals Frau Betty sagte über den Zustand ihres Mannes: "Er fühlt sich nicht gut und muss einige Tests machen lassen." Der Schwächeanfall hatte offenbar mit der Aussage Dardennes zu tun. Das sei "emotional sehr schmerzhaft" für ihn gewesen, sagte Marchals Anwalt Paul Quiryen. Schon der vergangene Donnerstag, als die im Kellerverlies Dutroux' verfassten Briefe Dardennes vor Gericht verlesen wurden, sei "sehr schwierig für ihn" gewesen.
"Er ging als gebrochener Mann nach Hause", sagte Quirynen. "Und heute erneut mit dem Mädchen konfrontiert zu werden, das entkommen konnte, während seine Tochter starb, muss furchtbar sein." Der Hauptangeklagte Marc Dutroux muss sich vor dem Gericht wegen Entführung und Vergewaltigung von sechs Mädchen verantworten, von denen vier qualvoll starben. Sabine und Laetitia konnten nach der Festnahme Dutroux' aus dem Kellerverlies befreit werden.
Richter sahen Videos mit Vergewaltigung junger Slowakinnen
Im Prozess gegen Dutroux haben dessen Richter verschiedene Videos mit selbst gedrehten Vergewaltigungsszenen des Hauptangeklagten angesehen. In geschlossener Sitzung wurden am Montag mehrere Filmausschnitte gezeigt, in denen der sexuelle Missbrauch von drei slowakischen Mädchen Mitte der neunziger Jahre zu sehen ist.
Die Staatsanwaltschaft und der Anwalt eines überlebenden Dutroux-Opfers beantragten zudem, auch eine Aufnahme mit Dutroux und dessen mitangeklagter Ex-Frau Michelle Martin vorzuführen. Darin werde deutlich, dass Martin "nicht die Rolle einer unterwürfigen Frau" einnehme, sagte Opferanwalt Georges-Henri Beauthier. "Sie wusste alles." So habe Martin zwei slowakischen Mädchen Schlafmittel gegeben, damit Dutroux sie vergewaltigen könne. Martins Verteidiger wandten sich gegen die Vorführung des Videos.
Von einer Vergewaltigung in der Slowakei sagten Fahnder im Zeugenstand, die Täterbeschreibung des Opfers treffe auf Dutroux zu. Auch dessen Lieferwagen habe das mehrfach missbrauchte Mädchen erkannt. Zum Tatzeitpunkt habe sich Dutroux in dem osteuropäischen Land aufgehalten. Die beiden anderen vergewaltigten Slowakinnen waren bei der Dutroux-Familie in Belgien zu Besuch.
Dutroux muss sich wegen Entführung und Vergewaltigung von insgesamt sechs Mädchen verantworten, von denen vier grausam zu Tode kamen. Er ist auch des Mordes angeklagt. (apa/red)
