Sonntag, 18. April 2004

Madrid-Terror: Anschlag-Organisator angeblich seit Jahren beobachtet

  • Schon vor neun Jahren im Visier der Ermittler
  • Ein gesuchter Bosnier stellt sich den Behörden

Der mutmaßliche Chef der Terroranschläge von Madrid hat - einem Pressebericht zufolge - schon vor Jahren bei Ermittlungen gegen islamische Extremisten den WEg der Fahnder gekreuzt. Wie die spanische Zeitung "El Pais" am Sonntag berichtete, wurde der in Tunesien geborene Serhane Ben Abdelmajid Fakhet dabei von Polizisten fotografiert und gefilmt.

Die Ermittlungen wurden dem Blatt zufolge 1995 vom spanischen Untersuchungsrichter Baltasar Garzon eingeleitet. Die Zeitung beruft sich auf Polizei- und Geheimdienstkreise. Fakhet hatte laut Vorwürfen der spanischen Behörden die Terroranschläge von Madrid am 11. März organisiert, bei denen 191 Menschen ums Leben kamen. Vor zwei Wochen hatte er sich gemeinsam mit sieben weiteren Terrorverdächtigen bei einer Razzia in die Luft gesprengt.

Die von Garzon vor neun Jahren eingeleiteten Ermittlungen führten im November 2001 zur Festnahme von über einem Dutzend mutmaßlichen Mitgliedern einer spanischen Zelle des Terrornetzwerks El Kaida, die die Attentäter vom 11. September 2001 finanziell und logistisch unterstützt haben soll. Unter den Festgenommenen ist der mutmaßliche Anführer der Zelle, Imad Yarkas. Mit ihm soll Fakhet laut "El Pais" häufig gesehen worden sein.

Ein im Zusammenhang mit den Terroranschlägen von Madrid gesuchter Bosnier stellte sich unterdessen den spanischen Behörden. Der 23-Jährige wurde am Freitagabend bei seiner Ankunft am Madrider Flughafen Barajas festgenommen, wie das Innenministerium mitteilte. Der Bosnier war auf Urlaub in Stockholm gewesen. Bisher wurde gegen 18 Verdächtigte Haftbefehl erlassen. Sechs von ihnen wird Massenmord vorgeworfen, den übrigen zwölf die Mitgliedschaft in oder Zusammenarbeit mit einer terroristischen Vereinigung. (apa/red)

18.4.2004 21:44