Freitag, 16. April 2004

Geiselnahmen im Irak: US-Soldat von Aufständischen gefangen genommen!

  • Italienische Anghörige senden Video-Appell
  • Entführte Japaner sind wieder auf freiem Fuß

Nun befindet sich auch ein US-Soldat in den Händen der Aufständischen: Der 20-jährige Keith Maupin, der auch in einem Al-Jazeera-Video zu sehen war, gehört einer Transporteinheit an. Ein weiterer Soldat und sieben zivile amerikanische Mitarbeiter des US-Konzerns Halliburton werden vermisst. Einer seiner Entführer sagte, man wolle ihn gegen irakische Gefangene austauschen. Die Familien der drei italienischen Geiseln haben unterdessen in einem gemeinsamen Brief die Entführer aufgefordert, das Leben ihrer Verwandten zu ersparen. Zwei entführte Japaner sind in der Zwischenzeit wieder wohlbehalten aufgetaucht.

Der arabische Fernsehsender Al Jazeera strahlte ein Video aus, das den Soldaten umringt von fünf Bewaffneten zeigt. US-Sender sendeten das Video ebenfalls. Der 20 Jahre alte US-Soldat, der in der Aufzeichnung seinen Namen selbst mit "Matt" Maupin angab, wurde von Angehörigen in den USA identifiziert.

In Batavia im US-Bundesstaat Ohio verlas ein Freund eine Erklärung der Familie, in der diese ihre Hoffnung auf eine baldige Freilassung des 20-Jährigen zum Ausdruck brachte. Die fünf vermummten Geiselnehmer erklärten, dass Maupin als "Kriegsgefangener nach islamischem Recht" behandelt werde. Ziel seiner Gefangennahme sei es, ihn gegen Mitglieder der Gruppe auszutauschen, die in der Hand der US-Besatzungsarmee seien.

Entführte Japaner wieder auf freiem Fuß
Zwei im Irak verschleppte japanische Staatsbürger sind offenbar wieder auf freiem Fuß. Die beiden Japaner seien in Bagdad freigelassen worden, teilte ein Mitarbeiter des Komitees moslemischer Gelehrter, Scheich Abdul Salam Kubaissi, in der irakischen Hauptstadt mit. Sie seien in "sehr guter" gesundheitlicher Verfassung. Die arabischen Fernsehsender Al Arabiya und Al Jazeera berichteten, die beiden Japaner seien in einer Bagdader Moschee an islamische Geistliche und Vertreter der japanischen Regierung übergeben worden.

Die japanische Regierung hatte erst kurz zuvor bekannt gegeben, dass die beiden Japaner "wahrscheinlich" entführt worden seien.

Angst um italienische Geiseln
Die Familien der drei italienischen Geiseln haben unterdessen in einem gemeinsamen Brief die Entführer aufgefordert, das Leben ihrer Verwandten zu ersparen. Im Schreiben, der an den TV-Sender Al Jazeera gesendet wurden, betonten die Familienangehörigen, dass die drei Italiener im Irak nur auf der Suche nach Arbeit waren.

Video-Appell der Angehörigen
"Wir sind die Familien der drei Personen, die Sie in Haft halten. Wir sind einfache Leute wie Sie (...) Wir glauben dass die Tat, mit der Sie drohen, sinnlos und kontraproduktiv für die Ziele wäre, die Sie verfolgen", hieß es im Appell, der von der römischen Tageszeitung "La Repubblica" veröffentlicht wurde.

"Unsere Verwandte sind in den Irak gereist, um eine Arbeit zu suchen, sie hatten keinerlei ideologische Motive. Verschonen Sie das Leben unserer Männer, die nichts mit Politik zu tun haben. Wir flehen Sie an, sie so rasch wie möglich heimkehren zu lassen", hieß es im Brief. Zudem nahmen die Angehörigen auch noch ein Video auf, das von Al Jazeera gesendet werden soll.

"Wir hoffen, dass der Appell der Familienangehörigen das Herz der Entführer anspricht. Wir hoffen, dass sie begreifen, dass sie schuldlose Italiener entführt haben, die sofort und ohne Bedingungen frei gelassen werden müssen", sagte der italienische Außenminister Franco Frattini.
(apa/red)

16.4.2004 12:32