Donnerstag, 15. April 2004

Bin Laden bietet Europa Waffenstillstand an: Prodi, Italiener & Briten lehnen ab!

  • Tonband laut US-Geheimdienst CIA vermutlich echt
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Der gesuchte Terrorführer Osama bin Laden hat den europäischen Ländern nach Berichten arabischer Fernsehsender einen Waffenstillstand angeboten. Die Sender "Al Jazeera" und "Al Arabija" veröffentlichten am Donnerstag ein Band, auf dem der Mann erklärte, die Waffenruhe werde beginnen, wenn die europäischen Soldaten die islamischen Länder verlassen hätten. Nach Einschätzungen des US-Geheimdienstes CIA ist das Tonband vermutlich echt. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi wies das Angebot umgehend zurück. Auch Großbritannien und Italien lehnen Verhandlungen ab.

"Ich verkünde einen Waffenstillstand mit den europäischen Ländern, die keine islamischen Länder angreifen", sagte die Stimme auf dem Band. "Die Tür zu einem Waffenstillstand steht für drei Monate offen." Die Fernsehsender zeigten dazu ein älteres Bild von Bin Laden. Mit der Waffenruhe sollten den Kriegstreibern weitere Möglichkeiten zum Kampf entzogen werden, hieß es weiter.

"Hört auf, unser Blut zu vergießen, damit wir aufhören können, euer Blut zu vergießen"
Umfragen hätten gezeigt, dass eine Mehrheit der Europäer sich eine Versöhnung mit der islamischen Welt wünsche. "Hört auf, unser Blut zu vergießen, damit wir aufhören können, euer Blut zu vergießen", sagte der Mann. "Das ist eine schwierige, aber einfach Gleichung."

Vergeltung für Ermordung Yassins angekündigt
Die Stimme kündigte außerdem Vergeltung für die Ermordung des Hamas-Führers Scheich Ahmed Yassin durch die israelischen Streitkräfte an. Der Mann auf dem Band kritisierte die amerikanische Nahost-Politik. Die USA ignorierten das wirkliche Problem, die Besetzung Palästinas.

Der Krieg im Irak bringe amerikanischen Unternehmen Milliarden Dollar ein, entweder für die Herstellung von Waffen oder für den Wiederaufbau. Die Stimme verwies auf die US-Firma Halliburton, die maßgeblich für den Wiederaufbau Iraks verantwortlich ist.

Anschläge als "Heimzahlung"
Mit Blick auf die Bombenanschläge von Madrid sprach der angebliche Bin Laden von einer Bestrafung für die Beteiligung Spaniens an Militäreinsätzen im Irak, in Afghanistan und "in Palästina". "Was am 11. September und am 11. März geschah, ist eine Heimzahlung an Euch, damit Ihr versteht, dass Sicherheit für alle unverzichtbar ist."

Prodi und Großbritannien lehnen Angebot ab
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi wies das Angebot zurück. Unter den Vorzeichen einer "terroristischer Bedrohung" könne es keine Verhandlungen geben", sagte Prodi am Donnerstag vor Journalisten in Shanghai.

Auch Großbritannien schloss als wichtigster Verbündeter der USA im Irak Verhandlungen mit El Kaida aus. "Ihre Anschläge sprechen gegen den bloßen Gedanken an eine Koexistenz", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Man dürfe nicht vor der Bedrohung davonlaufen. "Die richtige Antwort ist, den Terrorismus weiterhin zu bekämpfen und nicht, seinen Forderungen nachzugeben."

Italiens Außenminister: "Undenkbar"
Der italienische Außenminister Franco Frattini wurde von der Nachrichtenagentur ANSA mit den Worten zitiert: "Es ist undenkbar, dass wir Verhandlungen mit Bin Laden aufnehmen, das wird jeder verstehen." Die deutsche Bundesregierung in Berlin erklärte ebenfalls, es werde keine Verhandlungen geben.

CIA: Tonband vermutlich echt
Ein CIA-Mitarbeiter erklärte, der Geheimdienst habe eine technische Analyse der Stimme durchgeführt. Auch aus europäischen Sicherheitskreisen war zuvor verlautet, es gebe Anhaltspunkte dafür, dass das Band authentisch sei. Da der Sprecher auf die Tötung von Hamas-Gründer Scheich Ahmed Yassin eingehe, sei das Band vermutlich in den vergangenen Wochen aufgenommen worden. (apa/red)

15.4.2004 07:49