Mittwoch, 14. April 2004

Geisel im Irak getötet! Letzte Worte: "Jetzt zeige ich euch, wie ein Italiener stirbt"

  • Italienische Regierung will mit Entführern verhandeln
  • Lega Nord fordert Massen-Ausweisungen als Rache

Fabrizio Quattrocchi, der 37-jährige Italiener, der im Irak von fundamentalistischen Terroristen hingerichtet worden ist, ist "wie ein Held" gestorben. Dies erklärte der italienische Außenminister Franco Frattini im Gespräch mit Journalisten am Donnerstag in Rom. "Die Familienangehörigen Quattrocchis haben mir die Erlaubnis gegeben, die letzten Worte dieses Mannes bekannt zu geben. Als die Mörder die Pistole gegen ihn richteten, habe Quattrocchi geschrien: "Jetzt zeige ich euch wie ein Italiener stirbt". "Danach haben sie ihn erschossen", berichtete Frattini.

Der Italiener ist der erste der insgesamt rund 40 im Irak verschleppten Ausländer, der von seinen Entführern getötet wurde.

Berlusconi setzt auf Diplomatie
Die Regierung Berlusconi kämpft gegen die Zeit, um das Leben der drei italienischen Geiseln zu retten, die sich nach der Hinrichtung von Quattrocchi noch in Gefangenschaft irakischer Aufständische befinden. Italien setzte alle diplomatischen Hebeln in Irak in Bewegung, um mit Hilfe religiöser Behörden Kontakte mit den Entführern zu knüpfen, die sich als Aktivisten einer bisher unbekannten Gruppe namens "Grüne Brigade" bezeichneten.

Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi entsendete seinen diplomatischen Berater, Botschafter Gianni Castellaneta, in den Irak. Castellaneta soll die diplomatischen Kontakte zur Befreiung der Entführten koordinieren. Der italienische Botschafter in Bagdad, Gianludovico De Martino, nahm Kontakte zu den Lokalbehörden in Falluja auf, hieß es in Rom. "Unsere Pflicht ist es, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um sie da rauszuholen", betonte der italienische Außenminister Franco Frattini. Er unterstrich jedoch, dass die diplomatische Arbeit schwierig sei, weil die Terroristen einer "unstrukturierten Banditengruppe" angehörten. Es handle sich vermutlich um sunnitische Guerillas.

Lega Nord fordert Massen-Ausweisungen
Nach der Hinrichtung der italienischen Geisel im Irak fordert Italiens rechtspopulistische Regierungspartei Lega Nord scharfe Vergeltungs-Maßnahmen gegen die islamische Bevölkerung in Europa. "Für jeden Tag Gefangenschaft der Geisel sollte jedes Land 1.000 islamische Immigranten aus so genannten Schurkenstaaten ausweisen", fordert Roberto Calderoli, Vizepräsident des römischen Senats und Spitzenpolitiker der Lega Nord.

Hinrichtung mit Genickschuss
Der katarische Fernsehsenders Al Jazeera berichtete von einem Videoband und Fotos, auf denen "die Ermordung der Geisel" zu sehen sei. Die Bilder sollten jedoch wegen ihrer Grausamkeit nicht gesendet werden. Laut Al Jazeera wurde der Italiener in Anwesenheit seiner drei Mitgefangenen mit einem Genickschuss hingerichtet.

Die Entführergruppe namens "Grüne Brigaden" begründete die Tötung des Mannes laut Al Jazeera mit der Weigerung des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, die Truppen seines Landes aus dem Irak abzuziehen. Die Kidnapper drohten demnach damit, auch ihre drei anderen Geiseln "einen nach dem anderen" zu töten, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Berlusconi mache sich nichts aus dem Leben seiner Landsleute und befriedige lieber "seine Herren im Weißen Haus". (apa/red)

14.4.2004 22:57