CIA-Chef Tenet tritt zurück: "Bauernopfer" im Wahlkampf von Präsident George Bush?
- Rücktritt nach Terror-Lügen aus "persönlichen Gründen"
- Bush nahm Rücktritt an: "Ich werde ihn vermissen"
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US-Präsident bereits 4 Wochen vorher informiert
Der CIA-Chef trat Anfang Juni ab - aus "persönlichen Gründen"! US-Präsident Bush's erste Reaktion: "Ich werde ihn vermissen". Seit Mitte April saß der Geheimdienst-Mann auf einem heißen Stuhl: George Tenet hatte vor dem 9/11-Ausschuss gelogen. Er leugnete ein Gespräch, das er im August 2001 mit dem US-Präsidenten geführt hatte. Präsidentschafts-Kandidat John Kerry forderte danach eine Neuordnung der Geheimdienste und verlangte nach Einsetzung eines obersten Geheimdienstchefs.
US-Präsident George W. Bush akzeptierte das Rücktrittgesuch, das mit "persönlichen Gründen" begründet wurde, und würdigte die "überragende Leistung Tenets über viele Jahre". Tenet war seit sieben Jahren Chef des CIA und dankte Bush. "Es war für mich eine große Ehre für ihn als CIA-Chef zu arbeiten".
Kommentatoren sehen den Rücktritt als "Bauernopfer" in Bushs Wahlkampf. Tenet habe mit seinen Falschaussagen einige Male den Kopf für den Präsidenten hingehalten. Damit sei ein Schuldiger für die Terror-Pannen gefunden, der eben jetzt über die Klinge springen musste.
Die CIA war für Aufklärungsfehler vor den Anschlägen am 11. September 2001 kritisiert worden. Außerdem wurde ihr vorgeworfen, unzureichende Informationen über irakische Massenvernichtungswaffen geliefert zu haben.
CIA-Chef vor dem 9/11-Ausschuss
Der CIA-Chef hat vor dem Untersuchungsausschuss zum 11. September falsche Angaben über seine Kommunikation mit US-Präsident Bush gemacht. In der Befragung gab Tenet an, im August 2001 nicht mit Bush gesprochen zu haben. Tatsächlich flog Tenet am 17. August nach Texas, um den Präsidenten über Geheimdienstinformationen zu informieren, wie ein Sprecher von Tenet einräumte.
Am 31. August habe Tenet Bush ein weiteres Mal gesprochen, nachdem dieser nach Washington zurückgekehrt sei. Bis zum achten September sei Bush mindestens sechs weitere Male über neue Hinweise in Kenntnis gesetzt worden, sagte der Sprecher weiter. Die Frage, ob die US- Regierung trotz Erkenntnissen über terroristische Aktivitäten vor den Anschlägen am 11. September untätig blieb steht im Zentrum des Untersuchungsausschuss.
Vor dem Gremium räumte Tenet ein, auf die von Osama bin Laden ausgehende Gefahr nicht angemessen reagiert zu haben: "Wir wussten von Bin Ladens Absicht, unser Heimatland anzugreifen, aber waren nicht in der Lage, dieses Wissen in eine wirksame Verteidigung des Landes zu übersetzen", sagte der CIA-Direktor.
(apa)
