Gewalteskalation im Irak: Schiitenführer Al Sadr will bedingungslos verhandeln
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Der radikale Schiitenführer Moktada al Sadr ist zu bedingungslosen Verhandlungen mit der US-geführten Koalition im Irak bereit. Sadr sei bereit, den Empfehlungen der höchsten schiitischen Autorität in Irak, der Marjaija, zu folgen, sagte Sadrs enger Mitarbeiter Kais el Khasaali am Mittwoch in Nadschaf.
Al Sadr habe eine Delegation nominiert, um mit der US-Seite über einen Ausweg aus der Krise im Irak zu verhandeln. Die Delegation solle von dem Vorsitzender der schiitischen Partei Dawa-Organisation, Abdel Karim al Aanasi, geleitet werden. Die Dawa-Organisation ist eine Abspaltung der Dawa-Partei. Al Sadr hat damit nach Angaben seines Sprechers Kais el Khasaali alle Bedingungen für Gespräche über ein Ende des Aufstands seiner Anhänger im Irak zurückgezogen.
Bisher hatte Al Sadr gefordert, dass die US-Armee sich aus den Wohngebieten der Stadt zurückziehen und festgenommene Anhänger entlassen müsse.
El Khasaali sagte am Mittwoch in der Pilgerstadt Najaf: "Al Sadr hat zugestimmt, sich an das zu halten, was die religiösen Autoritäten, die von Großayatollah Ali al Sistani repräsentiert werden, beschließen." Dies sei das Ergebnis mehrtägiger Diskussionen, an denen dem Vernehmen nach auch ein Sohn Al Sistanis beteiligt war. Al Sadr habe sich zu diesem Schritt entschlossen, "um den Besatzungstruppen keine Gelegenheit zu geben, die Krise und das Blutvergießen weiter zu eskalieren", fügte der Sprecher hinzu.
Teheran will vermitteln
Zuvor war nach Angaben aus Sadrs Umgebung eine Delegation des iranischen Außenministeriums im Irak angekommen, um im Konflikt zwischen den US-geführten Besatzungstruppen und Schiiten zu vermitteln. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Irna will die Delegation mit Vertretern der US-geführten Koalition, mit irakischen Politikern und Religionsführern zusammentreffen. Nach Angaben des iranischen Außenministers Kharrazi hatten die USA Teheran um Vermittlung gebeten.
Al Sadr verließ Mittwochmittag den heiligen Bezirk der irakischen Pilgerstadt. Er halte sich inzwischen an einem unbekannten Ort auf, hieß es. Die US-Armee hat inzwischen Truppen bei Najaf zusammengezogen, wohin sich El Sadr zurückgezogen hat, und angekündigt, den Schiitenführer entweder zu töten oder gefangen zu nehmen.
Aufständische drohen: "Wir werden eine Zeitbombe sein"
Zum Truppenaufbau rund um Najaf sagte US-Brigadegeneral Kimmit: "Wir sehen gegenwärtig in der Gegend von Najaf eine bedeutende Gefahr, namentlich durch Moktada al Sadr und seine Milizen. Wir werden unsere Kräfte zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz haben, um ihn zu fassen und die Gewalt zu beenden - so einfach ist das." Al Sadrs Sprecher Kajs al Khasali warnte die USA vor einem solchen Schritt. "Im Moment haben sie es mit einem Aufstand zu tun, aber wenn sie Al Sadr verletzen, werden sie eine Massenrevolution im ganz Irak erleben. Wir werden eine Zeitbombe sein", sagte er.
Von Al Sadr selbst waren am Dienstag unterschiedliche Signale gekommen. Nach Verhandlungen mit einer Delegation schiitischer Abgesandter hieß es, er habe Bereitschaft zu einem Kompromiss zur Beendigung der Rebellion erkennen lassen. In einem Interview mit dem libanesischen Fernsehen sagte er dagegen: "Ich bin bereit, mich zu opfern und ich rufe das Volk auf, nicht zuzulassen, dass mein Tod dem Kampf für die Freiheit und gegen die Besatzung ein Ende setzt." (apa, red)
